Kultur

Sieben Leben und die Vergänglichkeit

Sieben Leben und die Vergänglichkeit

„Mio und die Unsterblichkeit“: Nach sechs Jahren erscheint am 27. 8. ein neuer Roman von Paulus Hochgatterer. Ein leises Werk über das Leben, Vergänglichkeit und Resilienz.

„Quo usque tandem abutere patientia mea?“ Wie lange noch wirst du meine Geduld missbrauchen, fragt ein alter Mann in Anlehnung an Cicero in Paulus Hochgatterers neuem Buch. Eine Frage, die vielleicht auch manchem seiner Leser durch den Kopf gegangen sein mag. Denn der wunderbare österreichische Schriftsteller ließ sich für diesen Roman mehr als sechs Jahre Zeit. Vor allem lag das an der fordernden Arbeit als Leiter einer klinischen Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die habe er inzwischen aber reduziert, wie er verriet. „Jetzt kann ich mich mehr dem Schreiben widmen.“

Das richtige Wort am richtigen Platz
In „Mio und die Unsterblichkeit“ erweist er sich wieder als Meister der leisen, klaren Sprache, kein Wort ist da zu viel. „Wer Verzierungen braucht, sollte es besser bleiben lassen. Das richtige Wort am richtigen Platz macht beim Leser mehr Effekt als jedes dazugestellte Adjektiv.“

Auch Ingemar, der 16-jährige Ich-Erzähler, hält nichts von Pathos bei der Betrachtung seines kurzen Lebens. Er leidet an spinaler Muskelatrophie, die seinen Körper völlig lähmt. Nur seine Gedanken kann sie ihm nicht nehmen – und die sind erfüllt von einer erstaunlichen Reife und Klugheit. In einem über 90-Jährigen findet er einen intellektuellen Konterpart. Und in der Katze Mio, die ihn mit ihren sieben Leben über Unsterblichkeit und Vergänglichkeit philosophieren lässt.

Sehr beeindruckende junge Menschen
Hochgatterer ist in seinem Beruf oft in Kontakt mit Kindern gekommen, die mit Krankheit oder Behinderung zu kämpfen haben. „Das waren durchwegs sehr beeindruckende junge Menschen – klug, lebensfroh, kritisch, manchmal voller Zorn, manchmal voller Traurigkeit, aber viel, viel öfter voller Neugier, Sehnsucht und Zuversicht.“ Kinder wie Ingemar, die ihre eigene Endlichkeit vor Augen haben – und dadurch manches klarer sehen als die meisten. „Wenn du weißt, du hast nicht mehr lange zu leben, wird das meiste, was wir für wichtig halten, lächerlich.“

Vielleicht verpasst