Kultur

Skofi: „Trage in den Liedern alles nach außen“

Skofi: „Trage in den Liedern alles nach außen“

DIe Wienerin Skofi bewegt sich musikalisch zwischen Hip-Hop, Elektronik, Indie-Sounds und warmen Pop. Ihr zweites Album „Halt mich fest“ strotzt nur so vor Authentizität und Ehrlichkeit und gehört zu den frischesten Werken der Gegenwart. Im „Krone“-Gespräch gibt sie uns tiefere Einblicke in ihre musikalische und persönliche Welt.

In einer Welt der zunehmenden Schubladisierungen ist die Wienerin Sarah Kofnarek aka Skofi der angenehme Unterschied. Die Vollblutkünstlerin verdingt sich rappend, singend und produzierend und hat mit ihrem Alter Ego eine Spielwiese für das Freilassen persönlichster Gedankengänge gegründet. Gleich fünf EPs erblickten das Licht der Welt, mit dem Debütalbum „Lass mich los“ setzte sie 2023 eine Duftmarke, die nicht nur zu millionenfachen Streamingzahlen, sondern auch prestigeträchtigen Konzerten und einer Bekanntheit weit über die Landesgrenzen hinaus führte. Gemeinsam mit den Produzenten Skyfarmer und wink182 entstanden inklusive und gedankenvolle Rap-Songs, die aber auch gerne mit anderen Genres kokettieren. Diese große Stilvermengung führt sie auf ihrem Zweitwerk „Halt mich fest“ weiter und zeigt dabei, dass sie keine Angst davor hat, neue Klangwelten zu berühren. Nicht weniger als 20 Songs sind auf der Doppelvinyl zu hören, „viel mehr wären es dann aber auch nicht mehr gewesen“, lacht sie im Gespräch mit der „Krone“, „der Rest waren Songskizzen und Demos, die aber nicht für das finale Produkt gereicht hätten.“

Intensiv und unmittelbar
Dass dem Titel „Lass mich los“ der Titel „Halt mich fest“ folgt ist zwar kein Zufall, aber weniger kalkuliert, als es nach außen hin den Anschein macht. „Es entstand letztes Jahr ein Song mit dem Namen ,Halt mich fest‘, aber der hat es nun nicht aufs Album geschafft. Der Titel blieb aber in meinem Kopf hängen und hat sich schließlich gut für das Album geeignet.“ Skofi begann ihre Gesangskarriere auf Englisch, hat dann aber schnell die Muttersprache Deutsch als ideales Ausdrucksventil gefunden. „Auf Englisch war ich mit den Begriffen und Ausdrücken irgendwann limitiert, weil der Wortschatz endet.“ Neben der stilistischen Vielfalt sind es vor allem die intensiven, sehr unmittelbaren Texte, die Skofis Musik ausmachen. „Ich habe auf dem Album fast alles angesprochen und war bewusst sehr offen. Mir würde jetzt auf die Schnelle nichts einfallen, was ich in den Liedern nicht nach außen getragen hätte.“

Die Wienerin schafft es, zu ihren eigenen Kopfgeburten sehr schnell eine Distanz aufzubauen. „Ich weiß immer, in welcher Lebensphase ich welche Nummer geschrieben habe, aber wenn sie draußen ist, ist sie für mich erledigt.“ Skofi setzt auf ein kleines, aber feines Team und sehr viel Vertrauen untereinander. Dieses Mal hat sie ihren Umkreis etwa um die Produzenten Philipp Mülleder, Max Walch und David Wöhrer erweitert. „Ich kriege über Instagram mit, was sie können und mit welchen Künstlern sie arbeiten und dann versucht man natürlich darauf etwas für sich zu finden. Da ich schon immer sehr persönliche und emotionale Musik geschrieben habe, hat sich über die Jahre eine gewisse ,Scheiß-drauf-Attitüde‘ entwickelt, mit der ich sehr gut lebe. Wichtig ist mir dann aber schon, dass ich bei Entscheidungen das letzte Wort habe.“ Skofi sucht ihre Produzenten auch nicht nach Namen aus. „Es gibt auch Hitschreiber, die dich in eine gewisse Richtung lenken, aber da habe ich die Zusammenarbeit immer schnell aufgegeben. Wenn es nicht meinem Drive entspricht, dann passt es eben nicht.“

Konstant stabiles Wachstum
Der für derartige Werke gern verwendete Terminus „Coming-Of-Age-Album“ trifft zu, erklärt die Vielschichtigkeit aber unmöglich in ihrer breiten Gänze. Die Songs handeln von den Tücken und Schwierigkeiten romantischer und platonischer Beziehungen, von Überforderung in einer Leistungsgesellschaft, vom Kampf um ein hohes Selbstbewusstsein und von der Rückkehr zu einer Leichtigkeit, die man früher mal als Kind hatte. Songs wie „Gegen die Wand“, „Vereinbart“, „20er“ oder „Vertigo“ beinhalten viele Querverweise, in denen man sich und sein Leben selbst wiederfindet. Ein besonderer Track ist etwa „Glas“, der tief in die Kindheit Skofis zurückreicht. „Ich habe schon in der Schule Instrumente gespielt und mich immer auf einer Bühne gesehen – lustigerweise aber nie singend. Das Texteschreiben und dann auch Vortragen kamen langsam. Eins nach dem anderen. Ich bin überhaupt froh, dass ich als Künstlerin ein konstantes Wachstum habe und alles sehr stabil wirkt. Ich bin sehr fein damit, dass die Songs nie wie eine Rakete eingeschlagen sind.“

Die Liebe zur Musik wurde Skofi in die Wiege gelegt. „Bei uns daheim lief eigentlich andauernd das Radio und am Wochenende hat mein Vater immer Platten und CDs aufgelegt. Zum Beispiel die Gorillaz, die ich immer Affenmusik genannt habe, weil das meine Verbindung zu ihnen war“, lacht sie, „ich habe gesehen, wie viel Spaß Musik meinen Eltern bereitet und fand sie selbst sehr bewegend.“ Im Direktvergleich zum Vorgänger hat „Halt mich fest“ jedenfalls wesentlich mehr Indie-Reverenzen in sich gesammelt. „Philipp und ich haben sehr viel 2000er-Indie gehört und viel über Radiohead gesprochen. Irgendwann ging es dann unbewusst in diese Richtung.“ Mit zunehmender Erfahrung wagt sich Skofi auch in seichtere Gefilde. „Ich hätte große Lust auf Pop und habe in letzter Zeit viel Künstlerinnen wie Sienna Spiro, Zara Larsson oder Addison Rae gehört. Ich finde es durch Social Media auch spannend, wie solche Künstlerinnen über Nacht zu Stars werden und ich sich dann im besten Fall auch halten.“

Zweimal live in Wien
Vielleicht wird auch Skofi mit ihrem Zweitwerk so richtig durchstarten, doch für den breitenwirksamen Durchbruch müsste die Wienerin wohl noch etwas am Songwriting feilen, aber Studioarbeit gefällt Skofi ohnehin besser als der Spaß auf der Bühne – wiewohl man sich schon auf ein paar Gigs freuen darf. Am 5. Juli ist sie im Zuge des Donauinselfests auf ebenjener zu sehen, die offizielle Release-Show gibt’s am 25. Oktober im Wiener Flucc. Unter www.skofi.at finden Sie alle weiteren Informationen dazu.

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