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Sängerin Esther Graf: Schlagobers und das Leben

· Culture

Mit ihrem neuen Album „wofür es sich zu leben lohnt“ zeigt sich Esther Graf so persönlich wie nie. Im „Krone“-Gespräch spricht die Kärntnerin über Glücksmomente, schwierige Phasen, mentale Gesundheit, ihre einstige Deutschlehrerin – und warum sie manchmal musikalisch noch immer unterschätzt zu wird.

Lächelnd und gut gelaunt treffen wir die österreichische Sängerin Esther Graf bei trübem Wetter im „Krone“-Gebäude. Bei einem Cappuccino plaudert die Kärntnerin über ihr neues Album „Wofür es sich zu leben lohnt“, das vor wenigen Wochen erschienen ist. „Wow, sogar mit Schlagobers – herrlich“, freut sie sich über ihre Tasse. Spätestens seit Hits wie „Red Flags“ oder „Mama hat gesagt“ ist Graf aus der Deutschpop-Szene kaum mehr wegzudenken. 

Auf ihrem neuen Werk feiert sie regelrecht das Leben. „Ich bin so dankbar, dass ich diesen Job machen darf. Ich liebe es, Musik zu machen“, sagt die 27-Jährige. Gleichzeitig zeigt sie sich so persönlich wie selten zuvor. Neben Familie, Freunden und Selbstliebe finden auch schwierige Momente ihren Platz. „Genau die gehören dazu. Sie machen mich stärker und haben einen Reifeprozess ausgelöst.“

Von der nicht netten Deutschlehrerin zur Songwriterin
Wie aus einem Freudenmoment schließlich der Albumtitel wurde, erzählt Graf fast nebenbei. „Ich war gerade so glücklich wie schon lange nicht mehr und hatte das Gefühl, ich will die ganze Welt küssen.“ Die Nummer entstand bei einem Writing-Camp auf Sizilien – und war ihr am Ende „viel zu schön, um nur ein Song zu sein“. 
Doch so schön das Leben auch sein kann – auch Esther kennt schwere Phasen. „Ich hatte in meinem Leben schon ein paar Downer“, gibt sie offen zu. Gerade dann sei es wichtig, auf die eigene mentale Gesundheit zu achten und sich Hilfe zu holen, wenn man sie brauche. Diese Ehrlichkeit zieht sich durch die gesamte Platte.

Überraschend offen spricht die Kärntnerin auch über ihre Schulzeit. Dass sie einmal vom Schreiben leben würde, hätte sie selbst lange nicht geglaubt. „Ich hatte keine besonders nette Deutschlehrerin und dachte deshalb lange, dass mir Schreiben überhaupt nicht liegt“, erzählt sie lachend. Heute ist ausgerechnet das Schreiben von Songtexten ihr Beruf. Dass hinter ihren Liedern viel eigene Arbeit steckt, werde oft unterschätzt. „Ich glaube, niemand weiß, wie sehr ich im Studio die federführende Hand bin“, sagt Graf. Viele würden denken, man bekomme mit Plattenvertrag einfach gesagt, was zu tun sei. „Dabei macht man als Artist heutzutage ganz viel selbst.“ Manche mutigeren Tracks packe sie deshalb bewusst aufs Album: „Ich wünsche mir, dass man musikalisch noch offener sein darf.“

Starke Frauen und Zusammenhalt
Auch die Zusammenarbeit mit anderen Musikerinnen liegt ihr am Herzen. Auf ihrem aktuellen Album arbeitet sie unter anderem mit Ness sowie Dani Lia und YOLA zusammen. Konkurrenzgedanken gibt es für sie dabei keine – im Gegenteil: Gemeinsame Titel mit starken Künstlerinnen seien oft besonders bereichernd und zeigten, wie viel Zusammenhalt es in der Szene gebe. 

Stillstand kennt die Künstlerin ohnehin nicht. Schon im August steht sie beim Frequency Festival auf der Bühne – für sie ein lang gehegter Traum. „Das ist für mich ein echter Bucket-List-Moment.“ Für ihre Fans kündigt sie bereits  eine besondere Liveshow an. „Ich werde auch viel Gitarre spielen auf der Bühne – und das Set wird sicherlich von vorne bis hinten Spaß machen“. Na dann, bleibt auch zu hoffen, dass sie dort ein genauso guter Cappuccino auf sie wartet!