Sprit-Krise in Russland: Jetzt handelt Kreml
Die Treibstoff-Krise in Russland spitzt sich immer weiter zu, mancherorts wird kein Sprit mehr an Privatpersonen verkauft. Der russische Präsident Wladimir Putin hat inzwischen zugegeben, dass es Probleme gibt und versucht jetzt offenbar, die Treibstoff-Knappheit in den Griff zu kriegen.
Von einer Entspannung an den russischen Tankstellen kann aktuell keine Rede sein. Die ukrainischen Gegenangriffe auf die Energieinfrastruktur machen Russland immer mehr zu schaffen. Die Schwarzmeer-Hafenstadt Noworossijsk hat jetzt den Benzinverkauf an Privatpersonen ausgesetzt. Die Behörden in Noworossijsk, dem größten russischen Öl-Exporthafen am Schwarzen Meer, teilten mit, dass Benzin nur noch über Tankkarten an städtische Dienste und Unternehmen verkauft werde. Diesel sei weiterhin erhältlich.
Im Ferienort Anapa sollen Kosaken helfen, Konflikte in den langen Warteschlangen zu verhindern. Russland, der drittgrößte Ölproduzent der Welt, ist inzwischen gezwungen, Benzin aus Ländern wie Indien zu importieren. Vor den Tankstellen bilden sich teils sehr lange Schlangen. Die Regierung in Moskau hat schon Beschränkungen für den Kauf von Treibstoff verhängt, während Landwirte warnten, die Ernte sei gefährdet.
Minderwertiger Sprit wieder erlaubt
Dafür hat sich der Kreml jetzt eine Lösung überlegt. Russland erlaubt den Raffinerien des Landes, minderwertigen Kraftstoff herzustellen. Das geht aus einem Regierungserlass hervor, wie „Kyiv Independent“ berichtet. Bestimmte Raffinerien dürfen bis zum Jahresende Sprit produzieren, einen höheren Schwefelgehalt hat.
Solcher Treibstoff belastet die Umwelt mehr und führt zu erhöhten Sicherheitsrisiken – für moderne Motoren kann dieser Sprit problematisch werden. Mit dieser Entscheidung will Russland „eine Destabilisierung des heimischen Marktes für Kraftstoffe verhindern“, steht in dem Erlass.
Millionen Liter Kerosin aus Japan
Auch gegen die Kerosin-Knappheit will Putin offenbar etwas unternehmen: Der Treibstoff soll aus Japan importiert werden wie Insider der Nachrichtenagentur Reuters berichten. In den kommenden Wochen sollen sich mindestens 200.000 Barrel (rund 31,8 Millionen Liter) Kerosin aus Japan auf den Weg machen. Das Kerosin soll in Japan verladen und dann zunächst nach Südkorea verschifft werden. An dem komplexen Geschäft seien mehrere Händler beteiligt, hieß es.
Der Plan mit Kerosin sieht den Insidern zufolge vor, dass die Fracht vor der südkoreanischen Hafenstadt Yeosu per Schiff-zu-Schiff-Umladung auf einen anderen Tanker verladen wird, bevor sie nach Russland weitertransportiert wird. Das genaue Ziel in Russland sei noch unklar. Das Energieministerium in Moskau und das japanische Wirtschaftsministerium reagierten zunächst nicht auf Medienanfragen. Das südkoreanische Industrieministerium lehnte eine Stellungnahme ab.
Die russischen Kerosin-Exporte sind nach Daten des Analysehauses Kpler in diesem Jahr auf etwa 13.000 Barrel pro Tag gefallen. Im vergangenen Jahr hatte Russland noch rund 30.000 Barrel pro Tag exportiert. Ein ähnlicher, wenn auch deutlich kleinerer Import von 22.000 Barrel Kerosin aus Südkorea nach Wladiwostok fand den Daten zufolge zuletzt im Februar 2022 statt.