Steirische Unis: „Bis zu 500 Stellen in Gefahr!“
Die Bundesregierung setzt beim Budget der Unis den Rotstift an. In der Steiermark drohen Hunderte Kündigungen, Studiengänge und Professuren sind gefährdet, genauso wie die Studienbedingungen selbst.
Wir beantworten die sechs wichtigsten Fragen zum Uni-Budget, das aktuell heiß diskutiert wird:
1) Was ist das Problem?
Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) hat am Wochenende das Unibudget für die Jahre 2028 bis 2030 vorgestellt: 16 Milliarden Euro. Laut den 23 öffentlichen Unis in Österreich wären 18 Milliarden Euro allein für die Inflationsanpassung notwendig. Die Uni-Konferenz (uniko) warnt vor den Folgen.
2) Welche Auswirkungen wären das?
Uniko-Vorsitzende Brigitte Hütter sagt: „Lehrveranstaltungen können nicht angeboten werden, die Rahmenbedingungen für Studierende würden sich verschlechtern, Studiengänge werden geschlossen, Forschungsgebäude können nicht eingerichtet werden. Die Besetzung von dringend notwendigen Stellen wäre nicht möglich. Die Wissenschaftsfreiheit ist in Gefahr.“ Außerdem wären österreichweit rund 6800 Stellen bedroht. Denn Personalkosten machen den Großteil der Kosten aus.
3) Was bedeutet das konkret für die Steiermark?
Da, wie gesagt, der Großteil Personalkosten sind, rechnet Uni-Graz-Rektor Peter Riedler mit einem massiven Stellenabbau. „Wir werden im Jahr 2030 weniger Beschäftigte haben.“ Es wären nach derzeitigem Stand rund 200 Stellen betroffen, heißt es auf „Krone“-Anfrage.
Auch an der TU Graz befürchtet Rektor Horst Bischof 250 bis 300 Stellen einsparen zu müssen – „entweder dadurch, dass nicht nachbesetzt wird oder durch Kündigungen“. Beide Rektoren warnen vor Rückschritten und sehen den Wirtschaftsstandort Steiermark sowie die Möglichkeiten für Nachwuchswissenschafter gefährdet. Bischof: „Es ist die Frage, ob wir unsere internationale Spitzenstellung in manchen Bereichen halten können.“ Im Bereich der Forschung zu Cybersicherheit sind die technischen Unis Österreichs derzeit international auf Platz 3.
4) Würden Studiengebühren helfen?
Rektor Riedler, Chef der größten steirischen Uni, ist nicht für die Einführung solcher Gebühren. Sie würden das Budgetproblem nicht lösen. Ein solches System wäre laut ihm zu komplex und würde zu wenig bringen.
5) Wieso kürzt man nicht Rektorengehälter?
„Das würde uns nicht aus der Budgetmisere helfen“, sagt Uniko-Vorsitzende Hütter. Sie erklärt, dass es aber an der Politik liegt, eine Obergrenze (Deckelung) bei den Gehältern einzuführen. Das betont auch Rektor Riedler. Dies sei aber nicht geschehen. Derzeit handelt es sich um bestehende Verträge.
6) Welche Folgen haben die Einsparungen auf die medizinischen Unis?
Andrea Kurz, Rektorin der MedUni Graz, meint, dass rasch geklärt werden müsse, wie die Ärzte-Gehälter künftig finanziert werden. Sie sorgt sich um die „Qualität der Lehre und die Ausbildung künftiger Ärzte und Ärztinnen“. Die Rektorin meint, dass die vorliegenden Zahlen des Unibudgets „entgegen der positiven Darstellung durch die Bundesregierung“ eine deutliche Verschlechterung für die Grazer MedUni bedeuten würden. „Sollte sich eine reale Budgetreduktion in der Größenordnung von zehn bis 15 Prozent bestätigen, wären spürbare Einschnitte unvermeidlich.“