Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) ist in der Nacht auf Montag mit Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) und einer 50-köpfigen Wirtschaftsdelegation nach Shanghai gereist. Auf dem Programm stehen unter anderem ein Besuch der China International Import Expo und Gespräche mit Staatspräsident Xi Jinping.
Zudem sind ein Gespräch mit Chinas Premierminister Li Quiang und Treffen mit österreichischen und chinesischen Wirtschaftsvertreterinnen und Wirtschaftsvertretern an Ort und Stelle geplant. Der Arbeitsbesuch der Politiker soll dazu beitragen, österreichischen Firmen neue Geschäftschancen in dem Land zu ermöglichen. Hattmannsdorfer will neue Aufträge an Land ziehen. Ihn begleiten Vertreterinnen und Vertreter von Unternehmen wie Magna, Doppelmayr und voestalpine.
Derzeit sind ungefähr 650 heimische Unternehmen mit etwa 900 Niederlassungen in China vertreten. Laut der Wirtschaftskammer haben diese 24.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wichtigste Exportgüter sind Maschinen, Apparate und mechanische Geräte. Hattmannsdorfer sagte, dass es ein ungenutztes Exportpotenzial in der Höhe von 5,4 Milliarden Euro geben könne.
Österreich hat im vergangenen Jahr fünf Milliarden Euro in die Volksrepublik exportiert und um 17,5 Milliarden Euro von dort importiert. 2,2 Prozent der österreichischen Wertschöpfung entfallen auf die chinesische Endnachfrage, gleichzeitig kommen inzwischen fast neun Prozent aller österreichischen Warenimporte aus China. Vorläufige Außenhandelsdaten für dieses Jahr deuten darauf hin, dass die Importe aus China weiter zulegen, während die Exporte zurückgehen.
EU-Kommission: „Unfaire Handelspraktiken“
Ein ähnlich ungleiches Bild beim Handel mit China zeigt sich auch in den anderen EU-Ländern. Die Beziehungen zwischen der EU und der Ein-Parteien-Diktatur gelten als angespannt. Aus Sicht der EU-Kommission setzt China unfaire Handelspraktiken ein und begünstigt durch massive Subventionen industrielle Überkapazitäten, die als billige Exporte nach China fließen. Die EU sucht derzeit nach Wegen, den eigenen Markt zu schützen, Abhängigkeiten zu reduzieren und faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. Das Land produziert weit mehr, als im Inland nachgefragt wird. Viele junge Menschen sind arbeitslos.
Die österreichische Delegation wird unter anderem in Shanghai und Peking erwartet. Am Samstag wird es wieder nach Österreich zurückgehen.