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Strittiger Kanzler-Sager: Aber wo er recht hat …

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„Kinderbetreuung würde ich nicht als Arbeit sehen.“ Mit diesem Sager sorgte Bundeskanzler Christian Stocker für heftige Diskussionen. Die „Krone“-Journalistinnen Petja Mladenova und Conny Bischofberger – beide zweifache Mütter – argumentieren, warum der Kanzler mit dieser Aussage durchaus recht hat – oder eben nicht ...

Mit diesen Worten sorgte Stocker bei seiner Sommertour „Österreich im Gespräch“ am Donnerstag für Aufsehen: „Kinderbetreuung ist für mich keine unbezahlte Arbeit, weil Kinderbetreuung würde ich nicht als Arbeit sehen. Familie ist nicht in bezahlter Arbeit zu rechnen. Wenn wir Familien als Business Case sehen, wenn wir Familien als Rechenbeispiel begreifen, dann ist das ein anderes Familienbild als das, das ich habe. Familie ist Verantwortung für einander, Familie ist Ja zueinander zu sagen, Familie ist etwas zu tun, ohne etwas dafür zu bekommen. Ich habe meine Kinder nicht erzogen als Rechenbeispiel.“

Die „Krone“-Journalistinnen Petja Mladenova und Conny Bischofberger beziehen zu diesen strittigen Aussagen Stellung.

Ich weiß, wovon ich rede, ich habe selbst zwei Kinder. Natürlich, der erste Satz von Christian Stocker ist falsch. Dafür hat sich der Kanzler inzwischen entschuldigt. Seine ganze Aussage halte ich im Kern aber für richtig. Ein Menschenleben sollte kein Aufrechnen sein. Nicht alles, was wir tun, kann, soll oder muss monetär abgegolten werden.

Niemand bekommt Kinder, um etwas Gutes für die Gesellschaft zu tun oder gar, um von der Allgemeinheit dafür „entlohnt“ zu werden. Es ist schon richtig, dass der Staat für die nötigen Rahmenbedingungen sorgen muss.

Mütter brauchen nicht nur Anerkennung für ihre Leistung, sie brauchen auch ausreichend viele Kinderbetreuungsplätze, um arbeiten und finanziell unabhängig sein zu können. Wir gründen Familie aber nicht für den Staat, sondern weil sie uns Liebe, Geborgenheit und Sicherheit gibt. Wir bekommen Kinder, weil es ein in uns tiefverwurzelter Wunsch ist, Nachkommen zu haben, etwas in dieser Welt zu hinterlassen.

Kinder sind auch eine gewisse Absicherung im Alter. Sie übernehmen den Familienbetrieb oder kümmern sich um ihre Eltern, wenn diese nicht mehr können. Genau das macht eine Gemeinschaft aus – etwas für andere ohne Gegenleistung zu tun. Da hat der Kanzler mit seinem Sager recht.

Musste Christian Stocker seinem kleinen Sohn je klarmachen, dass es jetzt keine Süßigkeiten gibt, während der Kleine sich an der Supermarktkassa bereits schreiend auf den Boden geworfen hat? Musste er sich Pflegeurlaub nehmen, weil die Tochter krank war? Waren er und seine Frau je verzweifelt, weil das Geld für Feriencamps nicht reichte und sie nicht wussten, wohin mit zwei Schulkindern während langer neun Wochen Sommerferien?

Eher nicht, sonst wäre dem Kanzler sein verhängnisvoller Satz wohl nicht rausgerutscht. Gut, er hat sich jetzt entschuldigt und behauptet das Gegenteil. Der Schaden ist aber schon angerichtet.

Millionen von Müttern – aber auch Väter – in diesem Land leisten 24 Stunden täglich und zig Jahre ihres Lebens Kinderbetreuung. Das ist nicht nur Arbeit, das ist Schwerarbeit.

Als Wiedergutmachung könnte Stocker jetzt dafür sorgen, dass diese wichtige und lohnende Tätigkeit jenen Stellenwert bekommt, den sie verdient. Durch gleichen Lohn für Frauen, die noch immer den Großteil unbezahlter Arbeit stemmen und dafür auch noch massive Einbußen in der Pension hinnehmen müssen. Durch faire Gehälter für alle, die in Kindergärten und Schulen Großartiges leisten und sträflich unterbezahlt sind. Durch öffentliche, ernst gemeinte Wertschätzung von unbezahlter Elternarbeit. Gerade aus dem Mund des Bundeskanzlers.