Erstmals seit Beginn des russischen Angriffskriegs ist der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nach Serbien gereist. Der Besuch ist heikel: Serbien ist traditionell mit Russland verbündet. Kiew hofft auf eine Kehrtwende.
„Ich bin mit meinem Team in Serbien angekommen“, schrieb Selenskyj am Freitagabend auf der Plattform X zu einem Video seiner Ankunft in Belgrad. Über zwei Tage seien „wichtige Gespräche“ mit dem serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić und Regierungschef Djuro Macut geplant.
Wirtschaft und Sicherheit im Fokus
Themen seien unter anderem eine „Ausweitung der wirtschaftlichen Verbindungen zwischen unseren Ländern“, die Beziehungen zur EU sowie „Sicherheitsfragen“, schrieb Selenskyj weiter. Empfangen wurde der ukrainische Präsident von der serbischen Energieministerin Dubravka Djedovic Handanovic (siehe Video unten).
Eine erste Unterredung gab es bereits Freitagabend. Nach seiner Ankunft in Belgrad traf Selenskyj den serbischen Staatschef zu einem Abendessen. Vučić erklärte anschließend, er sei überzeugt, der Besuch werde zur Entwicklung der Beziehungen und zur stärkeren Zusammenarbeit beider Länder beitragen. Offizielle Gespräche der beiden Präsidenten sind für Samstag im Präsidentenpalast geplant. Anschließend wollen sie vor die Presse treten.
„Ein Schlag ins Gesicht“ für Russland
Selenskyjs Serbien-Reise war am Donnerstag angekündigt worden. „Wir müssen die Serben von der Seite Russlands wegziehen“, sagte ein hochrangiger ukrainischer Regierungsvertreter in diesem Zusammenhang der Nachrichtenagentur AFP. Selenskyjs Besuch in Serbien sei für die Russen „ein Schlag ins Gesicht“. Selenskyj, der bei Reisen in zahlreiche Länder für Unterstützung für die Ukraine wirbt, hat Serbien seit seinem Amtsantritt 2019 noch nicht besucht.
Serbien gilt als eines der Moskau am nächsten stehenden Länder in Europa. Es hat Russland keine Sanktionen wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine auferlegt und unterhält weiterhin enge Beziehungen mit dem Land im Energiebereich. Vučić hatte inmitten des Kriegs in Moskau Gespräche mit Präsident Wladimir Putin geführt, um die Zusammenarbeit und den Handel zwischen beiden Ländern auszubauen.
Indirekte Waffenlieferungen
Allerdings liefert Serbien über Drittländer wie Polen oder Tschechien Waffen an die Ukraine. Zwischen den beiden Ländern gibt es auch seit 2003 einen Vertrag über militärische Kooperation.
Serbien strebt offiziell einen EU-Beitritt an. Brüssel hat angesichts der weiterhin engen Beziehungen Belgrads zu Moskau jedoch Bedenken geäußert.