Trump-Gegner Obama warnt: „Können noch verlieren!“
Eine Analyse vor den Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress am 3. November: In den Umfragen sieht es für die Gegner von Präsident Donald Trump gut aus, die Republikaner liegen hinten. Aber einiges spricht gegen eine „blaue Welle“ der Demokraten.
Die Schlussphase des Wahlkampfs für die amerikanischen Zwischenwahlen läuft auf Hochtouren und die Umfragewerte für die Demokraten erscheinen fast zu gut, um wahr zu sein. Landesweit liegen sie neun Prozent vor den Republikanern, die von Donald Trumps Unbeliebtheit nach unten gezogen werden.
Da in Amerika die Partei, die den Präsidenten stellt, bei den sogenannten „Midterms“ historisch fast immer Sitze im Kongress eingebüßt hat, glauben viele Trump-Gegner, dass sie nicht nur das Repräsentantenhaus, sondern auch den Senat von den Republikanern zurückerobern werden. Das würde bedeuten, dass der Kongress die Politik des Präsidenten beschneiden kann.
Demokraten haben Zweifel
Trotz der scheinbar so rosigen Umfragewerte, die eine „blaue Welle“ vorauszusagen scheinen, gibt es intern bei einigen einflussreichen Demokraten Zweifel, ob man den Aussichten trauen kann. Der ehemalige Präsident Barack Obama warnte bei einer Spendenveranstaltung: „Wir könnten alle Rennen, in denen wir zwei oder drei Prozentpunkte vorne liegen, am Ende auch verlieren – weil der Vorsprung innerhalb der Fehlertoleranz liegt.“
Umfragen haben Trump mehrfach unterschätzt
Die Präsidentschaftswahl von zwei Jahren sollte den Partei-Strategen Warnung genug sein. Kamala Harris lag in den Umfragen kurz vor der Wahl im Durchschnitt 1,7 Prozentpunkte vor Donald Trump. Am Wahltag gewann Trump jedoch alle sieben umkämpften Bundesstaaten und entschied auch die landesweite Stimmenmehrheit mit einem Vorsprung von rund 1,5 Prozentpunkten für sich.
Der Grund dafür ist ein Phänomen des Trump-Zeitalters. „Die Umfragen haben Trump und Republikaner, die gemeinsam mit ihm auf dem Stimmzettel standen, 2016, 2020 und 2024 unterschätzt“, schrieb der bekannte Statistiker und Wahlanalyst Nate Silver auf seinem Blog. Das könne man deshalb auch für diese Wahl annehmen.
Wie motiviert sind die Trump-Fans?
Wie viel besser die Republikaner abschneiden könnten, da deren Wähler bei Umfragen per Telefon den Statistikern gerne einen Bären aufbinden, diese Prognose wagt niemand. Statistisch belegt ist allerdings: Trumps treue Anhänger halten ihm nach wie vor die Stange. Nach einer aktuellen CNN-Umfrage würden 98 Prozent wieder für ihn stimmen. Der entscheidende Faktor ist: Wie motiviert sind die Trump-Fans, zur Wahlurne zu gehen, wenn ihr Idol nicht auf dem Stimmzettel steht.
Der Punkt, der am gewichtigsten gegen einen überwältigenden Wahlsieg der Demokraten spricht: Die Republikaner verfügen über einen deutlichen finanziellen Vorsprung auf die Demokraten. Laut den Daten des Analyseunternehmens „AdImpact“ werden die Republikaner bis zum Wahltag landesweit gut eine halbe Milliarde Dollar mehr in ihre Kandidaten in Form von TV- und Radiowerbung investieren.
Allein in Texas haben die Republikaner mehr als 150 Millionen Dollar für ihren Kandidaten bereitgestellt. Die Demokraten investierten dagegen lediglich vier Millionen Dollar für ihren Mann, obwohl dessen möglicher Wahlsieg die Chancen auf eine Übernahme des Senates deutlich erhöhen würde.
Trotz des nach außen getragenen Selbstvertrauens der Demokraten ist das Ansehen ihrer Partei in der Öffentlichkeit weiterhin ausgesprochen schlecht – weshalb auch die Wahlspenden stark hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind. 55 Prozent der Wähler haben eine „sehr“ oder „eher“ negative Meinung von den Demokraten und ihrer Politik.
Demokraten stehen vielen „zu weit links“
Gleichzeitig ist etwa die Hälfte der registrierten Wähler der Ansicht, dass die Demokratische Partei „zu weit links“ stehe. Das ergab eine aktuelle Umfrage der „New York Times“. Intern gibt es zudem Unstimmigkeiten zwischen dem linken und dem moderaten Flügel der Partei. Das könnte den Enthusiasmus drücken, einige Wähler könnten am 3. November zu Hause bleiben.
Trotzdem ist der ehemalige Obama-Berater David Axelrod froh, nicht auf republikanischer Seite zu stehen, wie er auf CNN enthüllte: „Deren Partei ist noch unbeliebter als unsere – und von ihrem Präsidenten wollen wir gar nicht erst reden.“