Ukraine: So leben Drohnenpiloten im Untergrund
Für Drohnenpilotinnen und Drohnenpiloten in der Ukraine gelten strenge Regeln. So müssen ihre Handys beispielsweise immer im Flugmodus sein und dürfen nur mit einem tragbaren Router benutzt werden. „Du darfst nicht auffallen“, sagte Drohnenpilot Denys.
Die militärische Kommunikation läuft über verschlüsselte Telefone, jedes Gerät mit Standortbestimmung ist strengstens verboten. Dass Mitglieder des geheimen Teams mit Medien sprechen dürfen, ist eine seltene Ausnahme. Denys und seine Kolleginnen und Kollegen führen ein Leben im Verborgenen. Sie dürfen nur bar bezahlen, müssen Geld jedes Mal an anderen Automaten abheben und dürfen auch keine Treuepunkte sammeln. Auch Fotos und Videos sind verboten – zumindest, wenn das Gesicht zu erkennen ist.
Man sei ein „sehr begehrtes und vorrangiges Ziel für den Feind“, sagte Denys zur Nachrichtenagentur AFP. Er war früher als Marineinfaterist tätig. Der Preis für „unsere Angehörigen und uns“ könne sehr hoch sein, sagte sein Kollege, der sich Woron nennt, was auf Ukrainisch Rabe bedeutet. Die russische Armee werde alles tun, „um zumindest eine dieser Gruppen aufzuspüren“. Er war vor Kriegsbeginn Maler und Kampfsporttrainer.
Lügendetektoren für neue Rekruten
Um seine wahre Aufgabe zu verschleiern, postet Woron auf der Seite seiner ehemaligen Armeeeinheit, als diene er weiter dort. „Alle meine Verwandten und Freunde glauben, ich sei noch bei den Spezialkräften (...). Die Leute stellen sich uns als eine Art Kommando in Tarnkleidung vor, aber in Wirklichkeit laufen wir in Jeans und Hemd herum“, sagte der Soldat zur AFP. In der Öffentlichkeit werde nicht über Einsätze gesprochen, Wörter wie „Start“ oder „Flügel“ seien tabu. Wenn Streitkräfte verdächtigt werden, dass sie Informationen durchsickern haben lassen, werden sie mit Lügendetektoren überprüft. Das wird auch bei neuen Rekrutinnen und Rekruten gemacht.
Angriffe manchmal spektakulär
Man habe ausreichend Drohnen, „aber der Tag hat nicht genügend Stunden“, sagte Denys. Seit Monaten greifen die ukrainischen Soldatinnen und Soldaten fast wöchentlich Raffinerien, Pipelines und Öllager in Russland an, oft weit im russischen Hinterland. Ziel ist es, Moskau um Rohstoffeinnahmen für seine Kriegskasse zu bringen. Manche Angriffe der Einheit sind spektakulär wie jener in Moskau, der schwarzen Qualm über die russische Hauptstadt aufsteigen ließ, oder jener in St. Petersburg genau in dem Moment, als Russlands Machthaber Wladimir Putin dort sein internationales Wirtschaftsforum abhalten ließ.
Würden die Drohnenpilotinnen und Drohnenpiloten auffliegen, müssten sie um ihr Leben fürchten. „Ich werde niemals über das sprechen können, was ich getan habe – auch nicht nach dem Krieg“, sagte Denys.