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Ungewöhnlicher Schritt: Papst wählt bei US-Wahl

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Für Millionen Amerikaner steht bei den bevorstehenden Zwischenwahlen viel auf dem Spiel. Doch unter den Wählern findet sich heuer ein besonders prominenter Name: Auch Papst Leo XIV. hat seine Stimme abgegeben – und das ausgerechnet aus dem Vatikan. Er liefert damit eine ungewöhnliche Premiere in der Geschichte der katholischen Kirche. Besonders aufschlussreich sind dabei die Wahlregister seiner amerikanischen Heimat. Denn diese zeigen, dass das Kirchenoberhaupt offenbar nicht immer derselben politischen Richtung folgte.

Der Vatikan bestätigte am Freitag, dass Leo XIV. als US-Staatsbürger von seinem Wahlrecht Gebrauch gemacht hat. Der gebürtige Chicagoer habe seinen Stimmzettel per Post nach Chicago übermittelt, teilte das vatikanische Presseamt mit. Der Papst sei überzeugt, dass es ein „Recht und eine Pflicht der Bürger“ sei, an demokratischen Prozessen teilzunehmen.

Von Demokraten zu Republikanern
Wie die Registereinträge aus dem Bundesstaat Illinois zeigen, ist das Kirchenoberhaupt unter seinem bürgerlichen Namen Robert Francis Prevost in der Gemeinde New Lenox im Großraum Chicago als Wähler registriert. Der „Standard“ hat gemeinsam mit anderen Medien wie ABC, der „New York Times“ und der „Chicago Sun-Times“ die öffentlich zugänglichen Wahlaufzeichnungen ausgewertet.

Dabei zeigt sich eine bemerkenswerte Entwicklung: 2008 und 2010 nahm Prevost an den Vorwahlen der Demokraten teil. 2012, 2014 und 2016 ließ er sich hingegen Stimmzettel für die republikanischen Vorwahlen geben. Eine eindeutige Parteizugehörigkeit lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. In Illinois können Wähler bei den offenen Vorwahlen jeweils entscheiden, an welcher parteiinternen Abstimmung sie teilnehmen möchten.

Nicht jede Wahl mitgemacht
Auch bei den eigentlichen Wahlen lässt sich das Abstimmungsverhalten des heutigen Papstes nachvollziehen. Demnach beteiligte sich Prevost 2012 an der Präsidentschaftswahl, 2014 an den Zwischenwahlen, 2018 erneut an den Zwischenwahlen und 2024 wieder an der Präsidentenwahl.

2016 und 2020 blieb seine Stimme hingegen aus. Besonders interessant ist das Jahr 2016: Damals hatte Prevost noch an den republikanischen Vorwahlen teilgenommen, bei der anschließenden Präsidentschaftswahl aber nicht mehr abgestimmt.

Was hinter diesen Entscheidungen steckt und für welche Kandidaten er sich tatsächlich entschieden hätte, lässt sich aus den Registern nicht herauslesen. Die Einträge geben lediglich Aufschluss darüber, an welchen Abstimmungen er teilgenommen hat.

Auch peruanischer Pass vorhanden
Leo XIV. wurde 1955 als Robert Francis Prevost in Chicago geboren. Durch seine jahrzehntelange Tätigkeit als Missionar und Bischof in Peru besitzt er auch die peruanische Staatsbürgerschaft. Bei den Regionalwahlen Anfang Oktober in seinem früheren Heimatland blieb er allerdings der Wahlurne fern.

Dort gilt grundsätzlich Wahlpflicht. Für Menschen ab 70 Jahren entfällt diese jedoch. Der mittlerweile 71-jährige Papst musste deshalb keine Geldstrafe befürchten. Andernfalls wären umgerechnet sieben bis 19 Euro fällig gewesen.

Ganz ohne Besuch seiner früheren Heimat bleibt es heuer aber nicht. Von 6. bis 17. November reist Leo XIV. nach Südamerika. Neben Uruguay und Argentinien steht dabei auch Peru auf dem Programm. Dort will er unter anderem seine frühere Bischofsstadt Chiclayo besuchen.