USA beobachten „stille“ chinesische Schiffe
Was treiben chinesische Forschungsschiffe vor der Küste Alaskas? Die USA beobachten die Aktivitäten der Schiffe mit wachsender Aufmerksamkeit. Zwar bewegen sie sich in internationalen Gewässern, doch aus Sicht der US-Küstenwache könnten ihre Einsätze auch sicherheitspolitische Bedeutung haben.
In diesem Jahr seien bislang vier chinesische Forschungsschiffe in den Gewässern vor Alaska unterwegs gewesen, sagte der zuständige Kommandant der US-Küstenwache, Bob Little, am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Im gesamten Jahr 2025 waren es demnach fünf Schiffe.
Keine Vorabinformation
Die Schiffe hielten sich laut Little zwar in internationalen Gewässern auf. Allerdings hätten sie die USA nicht wie üblich im Voraus auf diplomatischem Weg über ihre Anwesenheit informiert. Betroffen seien Seegebiete vor Alaska, darunter die Aleuten und die Beringstraße bis hinauf zum Nordpol.
Besonders aufmerksam verfolgt die US-Küstenwache Aktivitäten in der ausschließlichen Wirtschaftszone der USA sowie über dem erweiterten Festlandsockel. Solche Einsätze berührten Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten, erklärte Little am Rande einer Sicherheitskonferenz in Oslo.
Sorge vor Rohstoffsuche
Dabei stehen laut dem Küstenwachen-Kommandanten vor allem zwei mögliche Aspekte im Mittelpunkt. Die chinesischen Schiffe könnten den Meeresboden in einem den USA zugeordneten Gebiet auf Rohstoffvorkommen untersuchen. Zudem könnte die dabei gewonnene Erkenntnis China einen militärischen Vorteil verschaffen oder eine Bedrohung für die USA darstellen.
Auf Nachfragen der US-Küstenwache hätten die chinesischen Schiffe Little zufolge meist lediglich erklärt, sie befänden sich in internationalen Gewässern oder betrieben wissenschaftliche Forschung.
China will „polare Seidenstraße“
China bezeichnet sich selbst als „arktisnahen Staat“ und verfolgt den Aufbau einer sogenannten „polaren Seidenstraße“. In den vergangenen Jahren hat Peking seine Aktivitäten in der Polarregion ausgeweitet – teilweise allein, teilweise gemeinsam mit Russland.
Little tauschte sich in Norwegen auch mit internationalen Kollegen über den Umgang mit ähnlichen Aktivitäten russischer Forschungsschiffe aus. Es gebe zahlreiche Beispiele für hybride Bedrohungen, sagte der US-Kommandant mit Blick auf Russland. Als Beispiele nannte er unter anderem die Barentssee und die Ostsee. Die russische Regierung weist Vorwürfe zurück, illegal zu handeln oder US-Interessen zu bedrohen.