Es ist ein gefährliches Hin und Her auf Kosten unseres Wirtschaftsstandortes: Zuerst wurde das EU-weite Verbrenner-Verbot ab 2035 nach massivem Widerstand aufgeweicht. Nun steht es wiederum vor der Tür. Und das Ganze mit abstrusen Zahlenspielen, die europäische Autobauer gegenüber China in den Abgrund treiben. Krone+ analysiert den Irrweg von Volkspartei, Sozialisten und Liberalen, die am Mittwoch eine Mehrheit dafür bereiten wollen.
Das renommierte Fraunhofer-Institut hatte es unlängst errechnet: In Europa arbeiten aktuell rund 1,6 Millionen Menschen direkt in der Produktion von Automobilen. Sollte das EU-Verbrenner-Aus ab 2035 und die damit verbundene Flottenregulierung konsequent durchgezogen werden, stehen bis 2040 europaweit bis zu 726.000 dieser Arbeitsplätze (rund 45 Prozent) auf dem Spiel. Und von den europaweit rund 250 Milliarden Euro Wertschöpfung könnten bis zu 95 Milliarden Euro wegfallen. Besonders stark betroffen sind Automobilzulieferer vor allem in Deutschland und Österreich. Die aktuellen Niedergangbotschaften bei VW anderen hallen noch nach.
Im Sommer tönten Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der deutsche Kanzler Friedrich Merz noch von einer Aufweichung des Verbots: Autobauer müssten ihre Flottenemissionen gegenüber 2021 demnach nur noch um 90 Prozent anstatt um 100 Prozent senken – ohne dass zusätzliche Kompensationsmaßnahmen nötig sind. Damit könnten auch nach 2035 weiterhin neue Pkw mit Verbrennungs- oder Hybridmotor zugelassen und verkauft werden, solange der Gesamtschnitt der Herstellerflotte den Grenzwert einhält. Das ist schon ein beinahe unmögliches Ziel – doch jetzt ist wieder alles anders: