US-Präsident Donald Trump freut sich, die Demokraten sind dagegen entsetzt: Auf der Zielgeraden kurz vor den Midterms, den Zwischenwahlen in den USA am heutigen 3. November, bekommen die Republikaner Schützenhilfe ausgerechnet von einer prominenten Demokratin aus dem Bundesstaat Michigan. Haley Stevens vollzog diesen Schritt vor laufenden TV-Kameras.
Die Unterstützung von Stevens für den Republikaner Mike Rogers beim Rennen um einen Sitz im Senat ist deswegen besonders pikant, weil Rogers sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem demokratischen Kandidaten Abdul El-Sayed liefert.
Seitenwechsel könnte den Demokraten massiv schaden
Um die Mehrheit im Senat zurückzugewinnen, gilt ein Sieg von El-Sayed als wichtig. Stevens war zuvor beim parteiinternen Rennen von Michigans Demokraten um die Kandidatur für die Senatswahl El-Sayed unterlegen. Der Seitenwechsel von Stevens könnte den Demokraten ausgerechnet im Kampf um die Senatsmehrheit nun als massiv schaden.
Das erste Statement, mit dem Stevens ihre spektakuläre Entscheidung zu begründen versuchte, hatte viele Fragen offengelassen. „Es war eine persönliche Entscheidung. Ich bin heute morgen aufgewacht und habe beschlossen, in die Kirche zu gehen und hier mit der Person, der ich bei der Wahl meine Stimme geben werde, und das ist Mike Rogers“, sagte Stevens bei einem gemeinsamen Auftritt mit dem republikanischen Senats-Kandidaten vor US-Medien.
Haley Stevens verkündete ihren Seitenwechsel auf X:I
In einer langen Erklärung auf X wird die abtrünnige Demokratin nun deutlicher. Zwar verstehe sie, dass viele Demokraten verärgert seien. Aber ihre Entscheidung sei keine „impulsive“ gewesen. „Es war eine Gewissensentscheidung“, so die 43-Jährige.
Demokrat El-Sayed eckt bei eigener Partei an
Als Grund, ihrem parteiinternen Konkurrenten bei der Kandidatur ihre Unterstützung zu entziehen und sich öffentlich für den Republikaner Rogers einzusetzen, führte sie als Beispiel Wahlspots aus der Werbekampagne von El-Sayed an. El-Sayed, der als erster Muslim der Geschichte in den US-Senat einziehen könnte und von Trump als „Dschihadist“ bezeichnet wird, löst mit seiner hartnäckigen Kritik an Israel und der Ablehnung von Waffenlieferungen an das Land in den eigenen Reihen viel Unbehagen aus.
Scharfe Kritik an politischem Seitenwechsel
Demokratischen Spitzenpolitiker kritisierten die Ankündigung von Stevens dennoch scharf. Wer eine derart wichtige Wahl „zu einer Sache über sich selbst macht und nicht über die Bürger Michigans und unserer Demokratie“, solle „scharf darüber nachdenken“, ob er der Allgemeinheit noch dienen könne, erklärte Michigans derzeitige Senatorin Elissa Slotkin auf „X“. Die Demokratin hatte bei den Wahlen 2024 Mike Rogers, den Stevens nun unterstützt, geschlagen. Chuck Schumer, Minderheitsführer der Demokraten im US-Senat, warf ihr „verachtenswerten Verrat“ vor.
Stevens aus Partei ausgeschlossen
Der Landesverband der Demokraten in Michigan schloss Stevens mittlerweile aus. Stevens sei „kein aktuelles Mitglied der Demokratischen Partei von Michigan mehr und wird dies auch in Zukunft nicht mehr sein“, zitierte die „Washington Post“ Parteichef Curtis Hertel.
Die Bundesfraktion der Demokraten im US-Repräsentantenhaus, in dem Stevens aktuell als Abgeordnete von Michigan sitzt, schloss sie bislang noch nicht formell aus. Doch diversen US-Medienberichten zufolge sollen inzwischen zahlreiche demokratische Abgeordnete den Rauswurf aus der Fraktion und den Entzug von Ausschusssitzen fordern.
Trump will Stevens nun in seiner Partei haben
Donald Trump erklärte, Stevens habe „Mut“ bewiesen und forderte sie auf, von den Demokraten zu den Republikanern zu wechseln. Mike Johnson, republikanischer Vorsitzender des Repräsentantenhauses, erklärte, er habe Stevens „ermutigt, auf ihre Sicherheit zu achten“ und „weiter die Wahrheit auszusprechen“.
Demokraten müssen mindestens vier neue Sitze im Senat dazugewinnen
Aktuell halten die Republikaner im US-Senat eine Mehrheit von 53 zu 47 Sitzen. Die Demokraten müssen also mindestens vier neue Sitze hinzugewinnen, um die Mehrheit zurückzuerobern. Sollte Michigan nun an die Republikaner zurückfallen, wüchse der Druck auf die Demokraten weiter, dieses Ziel zu erreichen, zumal bei den Midterms nicht alle 100 Sitze, sondern nur 35 neu gewählt werden.
„Blaue Welle“ im Repräsentantenhaus erwartet
Im Repräsentantenhaus, für das bei den Midterms alle 435 Sitze neu gewählt werden, ist der Vorsprung der Republikaner proportional dünner. Hier fehlen den Demokraten lediglich drei Sitze, um die Mehrheit zurückzuerobern. Viele US-Wahlbeobachter gehen für die Kongress-Kammer einer „blauen Welle“ aus, also von einem Sieg der Demokraten.