Gefühlt trauert die ganze deutsche (Fußball-)Nation – nur der Bundeskanzler ist mächtig, ja geradezu hingerissen vom deutschen Nationalteam. Das heute in der Nacht bei der WM an Paraguay scheiterte.
„Was für ein Spiel“, schreibt der deutsche Kanzler in einem Instagram-Posting und zeigt dazu ein Bild vom deutschen Nationalteam: „Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt ihr unser Land begeistert.“ Kann man schon so sehen, ja. Wird aber – auch direkt in den Kommentarfeldern darunter – durchaus auch ambivalent beäugt, dieses Statement. Ein Unser meint etwa, Merz habe wieder einmal präzise an der Stimmung im Land vorbei formuliert. Zumal er noch geradezu pathetisch schließt: „Wir sind stolz auf euch.“
Horror-Serie geht weiter
Gerade vom letzten Satz scheinen sich nicht alle deutschen Fußballfans angesprochen und abgeholt zu fühlen. Zumal die deutsche Horror-Serie weitergeht: Das letzte gewonnene K.-o.-Spiel bei bei einer WM datiert für Schwarz-Rot-Gold vom WM-Finale 2014. Seither wurde – 2018 und 2022 – die K.-o.-Phase überhaupt verpasst und jetzt mit einer sofortigen Niederlage gleich wieder beendet.
Nächste Blamage
„Die nächste Blamage“, titelt etwa die „Süddeutsche“ – durchaus konträr zur Wahrnehmung von Friedrich Merz: „Deutschland, das bei dieser Weltmeisterschaft nach einem 7:1 gegen den Fußballzwerg Curaçao keinen einzigen überzeugenden Auftritt hingelegt hat, tritt jetzt völlig verdient die Heimreise an. Nachdem es wie schon 2018 und 2022 nicht einmal das Achtelfinale erreicht hat.“
Die DFB-Auswahl hatte am Montag im Sechzehntelfinale in Foxborough bei Boston einen Krimi im Elfmeterschießen gegen Paraguay mit 3:4 verloren. Nach regulärer Spielzeit und der Verlängerung war es vor 63.495 Zuschauern nach Toren von Julio Enciso (42.) bzw. Kai Havertz (54.) 1:1 gestanden.
Im Elfmeterschießen zeichnete sich Paraguays Tormann Orlando Gill bei den Schüssen von Havertz und Nick Woltemade aus, zudem setzte Jonathan Tah den Ball drüber. Aufseiten der Sieger fielen Fehlschüsse von Antonio Sanabria (daneben) und Fabian Balbuena (gehalten) nicht ins Gewicht, da Jose Canale als letzter Schütze die Nerven behielt. Damit gewannen die Südamerikaner erstmals seit dem Viertelfinaleinzug 2010 ein WM-K.o.-Spiel und bekommen es nun am 4. Juli im Achtelfinale in Philadelphia mit Topfavorit Frankreich oder Schweden zu tun.