Politik

Wein und Inserate: Das Netzwerk des Ernst Nevrivy

Wein und Inserate: Das Netzwerk des Ernst Nevrivy

Der Donaustädter Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy ist nach dem Polit-Ende von WK-Wien-Chef Walter Ruck überraschend zurückhaltend – sein Interessengeflecht indes floriert weiter. Ein Blick in Seilschaften.

Walter Ruck geht kein Licht auf – wenn Bürgermeister Michael Ludwig heuer die Weihnachtsbeleuchtung aufdreht, dann steht der Wiener Wirtschaftskammerboss nicht neben ihm. Der ist nach dem Weinkeller-Gelage, wo er sich um Kopf und Kragen geredet hat, Polit-Geschichte.

Aus der karrierebeendenden Vinothek wuchert aber eine Seilschaft bis tief in die Wirtschaft, die ein Bild darüber abgibt, wie die Donaustadt als Stadt in der Stadt funktioniert. Zwei der wichtigsten Protagonisten, damals als Ruck-Flüsterer in Weinlaune:

Ernst Nevrivy:
SPÖ-Bezirksvorsteher der Donaustadt und ein geübter Skandal-Aussitzer. Nach dem Ruck-Rücktritt ist es ganz still um den Polit-Schreihals geworden. Ähnlich wie einst nach der Kleingartenaffäre.

Marko Fischer:
Präsident des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbands und Vizepräsident der Wiener Wirtschaftskammer.

Die beiden verbindet weitaus mehr als nur die Liebe zu edlen und weniger edlen Tropfen. Wo auch der Dritte im Bunde ins Spiel kommt:

Harald Marschalek:
Wiener Unternehmer und Mitherausgeber der Donaustädter Bezirkszeitung „dbz – donaustadt im blick“.

Wann auch immer man in die Hintergründe des Bezirks eintaucht, stößt man auf die Nevrivy-Fischer-Marschalek-Achse, die durchaus mit Mittelzuflüssen garniert ist. So erhielt eine Broschüre von Marko Fischer namens „Unsere Donaustadt“ aus eben Nevrivys Donaustadt eine Schaltung in der Höhe von 24.444 Euro.

Großzügig bedacht wird seit Jahren auch Marschaleks Lokalzeitung „dbz“, bei der der Fischer-Clan mitmischt. Die Rede ist von 41 Einschaltungen seit 2020 mit einer Gesamtsumme von 100.112 Euro wie die Stadt Wien auf „Krone“-Anfrage bestätigt. Zusatz: „Nachdem wir Ende 2021 auf Brutto-Verrechnung umgestellt haben, gibt es Beträge exklusive und inklusive Umsatzsteuern.“ Weitere Erklärung, wie das Geld verteilt wird: „Die grundsätzliche Budgethoheit hat der Bezirk. Mitarbeiter der jeweiligen Bezirksvorstehungen übermitteln der MA 53 an die BVs gerichtete Angebote diverser Medien und ersuchen uns um die verwaltungstechnische Abwicklung der Schaltung bzw. der Medienkooperation.“

Nevrivy – Fischer – Marschalek
Die Zusammenkunft der ersten beiden in Rucks Weinkeller wirkt bei all den Seilschaften immer weniger „zufällig“. Die „Krone“ fragte bei Nevrivy nach – dort scheint man sich auf solche Anfragen vorbereitet zu haben.
Nur 23 Minuten nach der Mail an die Bezirksvorstehung kam die Antwort: „Nevrivy kennt Marko Fischer natürlich als Vorsitzenden des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes Donaustadt und darüber hinaus als Präsident des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes Wien, in dessen Präsidium Nevrivy ist.“

Zu Marschalek: „Er ist uns als Herausgeber des Bezirksmediums ,dbz’ bekannt. In diesem Medium inseriert die Bezirksvorstehung genauso wie in allen anderen in der Donaustadt erscheinenden Bezirksmedien.“ Versumpert im Weinkeller ist Nevrivy aber nur mit einem.

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