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WM: „Begräbnisstimmung“ – Teamchef steht vor Aus!

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In der Nacht auf Dienstag hat sich nach Deutschland mit den Niederlanden eine zweite europäische Fußball-Großmacht schon nach dem Sechzehntelfinale von der WM in Nordamerika verabschieden müssen. Nicht nur Julian Nagelsmann, sondern auch Ronald Koeman steht vor dem Aus.

In der Kabine habe „Begräbnisstimmung“ geherrscht, sagte Routinier Marten de Roon nach dem Aus im Elfmeterschießen gegen Marokko. Schon wenige Minuten danach tobte in den Niederlanden eine Trainerdiskussion, für Ronald Koeman war es wahrscheinlich das letzte Spiel als Teamchef.

Mit der Entscheidung, gegen den Afrikameister auf fünf Verteidiger zu setzen, habe Koeman seinen Kopf bereits vor dem Anpfiff auf die „Schlachtbank“ gelegt, schrieb die Zeitung „De Telegraaf“ nach dem dramatischen Spiel. Die Niederlande hatte erst in der Nachspielzeit (90.+1) durch Issa Diop den Gegentreffer zum 1:1 kassiert, im Elfmeterschießen (2:3) versagten die Nerven.

Koeman ließ Zukunft offen
Eine der ersten Fragen nach der bitteren, aber letztlich verdienten Niederlage war deshalb auch, ob der Bondscoach dem Verband bereits seinen Rücktritt angeboten habe. „Das habe ich nicht getan“, antwortete Koeman. „Ich werde in Ruhe über meine Zukunft nachdenken“, sagte der 63-Jährige in Monterrey. Koeman ist seit Anfang 2023 zum zweiten Mal Trainer der Elftal. Es wird erwartet, dass er sehr zeitnah sein Amt zur Verfügung stellt. Als ein Kandidat für die Nachfolge gilt Peter Bosz von Meister PSV Eindhoven.

Die defensive Ausrichtung im ersten K.o.-Spiel rief heftige Kritik hervor. Das niederländische Fachblatt „Voetbal International“ meinte: „Beschämender Angsthasen-Fußball wird für Oranje fatal.“ Koeman wies die Kritik zurück. „Es geht nicht darum, Angst zu haben. Es geht darum, besser zu stehen. Wir haben mit drei Angreifern gespielt“, sagte der 63-Jährige. „Ich weiß, als Bondscoach werde ich gelobt, wenn das 1:1 nicht mehr fällt. Jetzt werde ich kritisiert, weil ich mit fünf Verteidigern gespielt habe“, sagte Koeman weiter. Die Kritik interessiere ihn nicht, sagte der Bondscoach. Er würde immer wieder so entscheiden.

Und in der Tat wäre der Plan von Koeman fast aufgegangen und hätte für eine der emotionalsten Geschichten dieser WM gesorgt. Denn ausgerechnet Cody Gakpo hatte die Elftal in der 72. Minute in Führung gebracht. Der Angreifer vom FC Liverpool hatte wenige Tage vor dem Spiel öffentlich gemacht, dass sein zweiter Sohn während der Schwangerschaft seiner Freundin gestorben war. Nach seinem Tor sank Gakpo zu Boden und brach in Tränen aus. Die komplette niederländische Mannschaft bildete eine Spielertraube um den 27-Jährigen, der beim Aufstehen das Trikot über sein Gesicht zog und danach mit dem Finger gen Himmel zeigte.

Dramatisches Elfmeterschießen
Doch nach dem bitteren Last-Minute-Ausgleich für Marokko, das bei der WM in Katar vor vier Jahren als erstes afrikanisches Team das Halbfinale erreicht hatte, verlief auch das Elfmeterschießen auf dramatische Art und Weise gegen die Elftal. Der 120 Minuten lang überragende Torhüter Bart Verbruggen hatte den zweiten Strafstoß der Marokkaner durch Soufiane Rahimi eigentlich bereits gehalten, ehe er den Ball mit der Ferse selbst ins eigene Tor beförderte. Weil Justin Kluivert, Quinten Timber und Crysencio Summerville mit ihren Versuchen allesamt recht kläglich scheiterten und Ismael Saibari am Ende sicher für Marokko traf, schieden die Niederlande zum dritten Mal nach 2014 und 2022 bei einer WM im Elfmeterschießen aus.

„Das sind die schrecklichsten Momente als Fußballer“, stammelte Kapitän Virgil van Dijk ins Mikrofon. „Wir hatten alle einen großen Traum. Ich kann einfach nur sorry sagen“, sagte England-Legionär Jan Paul van Hecke an die frustrierten Fans in der Heimat gerichtet, die neben dem Aus auch noch die feiernden Marokkaner in vielen niederländischen Städten aushalten mussten. Statt im Achtelfinale am Samstag in Houston eine lösbare Aufgabe gegen Kanada zu haben, geht es für das Oranje-Team nun wie für die DFB-Elf nach Hause.