Krasse Außenseiter und Fußball-Zwerge hoffen bei der WM auf den Coup. Dank der Aufstockung des Teilnehmerfeldes von 32 auf 48 Mannschaften sind beim Großturnier in den USA, Mexiko und Kanada vier Nationalteams erstmals bei einer WM-Endrunde dabei. Dazu zählen Österreichs Auftaktgegner Jordanien, Curacao, das bisher kleinste Land bei einer WM, sowie die Kapverden und Usbekistan. Mit Haiti und der DR Kongo geben zwei Länder 52 Jahre nach ihrer Premiere ein Comeback.
Jordanien – Die Tapferen warten auf Österreich
Das ÖFB-Team ist am Abend des 16. Juni (17. Juni, 6.00 Uhr MESZ) in Santa Clara bei San Francisco Gegner der Jordanier bei deren WM-Premiere. Die „Nashama“ (Tapfere, Ritterliche) erleben aktuell die beste Phase ihrer Fußball-Geschichte. Beim Asien-Cup 2024 kam die Auswahl aus dem Königreich in Vorderasien erstmals ins Endspiel, danach folgte die erste erfolgreiche WM-Qualifikation. Jordanien hatte die erste Quali-Phase als Gruppensieger vor Saudi-Arabien überstanden, in der finalen reichte Gruppenrang zwei hinter Südkorea. Nur wenige Spieler verdienen ihr Geld in Europa. Bekanntester Akteur ist Offensivmann Mousa Tamari von Stade Rennes. Als Teamchef fungiert seit Sommer 2024 Jamal Sellami, der zuvor ausschließlich in seiner Heimat Marokko als Trainer tätig war. Als Spieler verbrachte Sellami von 1998 bis 2001 aber auch drei Jahre bei Besiktas Istanbul.
Curacao – Zwergstaat in den Rekordbüchern
Die Karibik-Insel ist seit 2010 ein selbstständiges Land innerhalb des Königreichs der Niederlande und das kleinste Land, das sich jemals für eine WM-Endrunde qualifizieren konnte. 156.000 Menschen wohnen auf 444 km2 und damit einer Fläche etwas größer als Wien (414 km2). Das Nationalteam wird „The Blue Wave“ (Die Blaue Welle) genannt und hat sich vor Jamaika ungeschlagen mit Rang eins in der Gruppe B der CONCACAF-Qualifikation das Ticket für die Endrunde geholt. Das WM-Debüt gibt Curacao am 14. Juni (12.00 Ortszeit, 19.00 MESZ) gleich gegen Deutschland. Nimmt man die Testspiele als Maßstab, droht es eine einseitige Angelegenheit zu werden, waren doch selbst China (0:2), Australien (1:5) und Schottland (1:4) zu stark.
Die Mannschaft, ausschließlich Legionäre, besteht hauptsächlich aus Niederländern mit karibischen Wurzeln, die oft auch für Clubs in den Niederlanden spielen. Das Know-how an der Seitenlinie kommt auch aus Europa, hat im Vorfeld des Turniers aber für viel Wirbel gesorgt. Der Niederländer Dick Advocaat hatte Curacao erfolgreich durch die Qualifikation geführt, sich Anfang des Jahres wegen einer Erkrankung seiner Tochter aber zurückgezogen. Für ihn sprang Landsmann Fred Rutten ein. Teile der Mannschaft und wichtige Sponsoren forderten im Mai aber eine Rückkehr von Advocaat, der einwilligte. Mit 78 Jahren wird Advocaat nun der älteste Trainer in der Geschichte des WM-Turniers. Es wird seine dritte WM: 1994 war er mit den Niederlanden in den USA dabei, 2006 in Deutschland trainierte er Südkorea.
Kap Verde – Aufschwung durch Diaspora
Nicht minder schwer wird die Premiere für die Kapverden, die am 15. Juni (12.00 Uhr Ortszeit, 18.00 MESZ) gegen Spanien bestehen wollen. Das Team von Nationalcoach Pedro Leitao Brito, genannt Bubista, legte mit einem 1:0 über Favorit Kamerun den Grundstein für die erfolgreiche Qualifikation. Die Auswahl besteht aus weitgehend unbekannten Profis, hat aber in den vergangenen Jahren durch Spieler, die sich aus der Diaspora dem Team angeschlossen haben, einen Aufschwung erlebt. Kapitän Ryan Mendes, Torhüter Vozinha und die Innenverteidiger Roberto „Pico“ Lopes und Logan Costa vom FC Villarreal sollen Hauptrollen übernehmen. Kap Verde ist eine von sechs Mannschaften, die ausschließlich Spieler aus ausländischen Ligen im WM-Kader haben.
Haiti – Comeback nach 52 Jahren
Über fünf Jahrzehnte nach der Premiere ist Haitis Team zum zweiten Mal bei einer WM dabei und in der Gruppe mit Rekordweltmeister Brasilien, 2022-Halbfinalist Marokko und Schottland klarer Außenseiter – so wie 1974 in Deutschland, als die „Grenadiere“ gegen Italien (1:3), Polen (0:7) und Argentinien (1:4) chancenlos waren. Als kleiner Held kehrte damals aber Emmanuel Sanon zurück, der beide Tore erzielte. Haiti spielt in Gruppe C in den USA, das den Karibikstaat auf der Insel Hispaniola mit einem Einreiseverbot belegt hat. Unterstützung wird aber von den über eine Million Immigranten kommen, die sich vorwiegend in Florida und an der Ostküste, wo Haiti seine Spiele bestreitet, niedergelassen haben. Teamchef ist der Franzose Sebastien Migne. Für die Tore sorgen soll Duckens Nazon. Der Stürmer, der für den iranischen Club Esteghlal spielt, hat in 74 Länderspielen 44 Tore erzielt. Für Schlagzeilen hat Haiti zu Jahresbeginn im Frauenfußball mit dem Engagement von Pia Sundhage als Teamchefin gesorgt. Die Schwedin hatte davor die Nationalteams von USA, Schweden, Brasilien und der Schweiz betreut.
Usbekistan – Der Star ist der Trainer
Bekannte Namen findet man nicht im Kader der Usbeken, dafür aber an der Seitenlinie. Fabio Cannavaro ist seit Oktober Teamchef der „Weißen Wölfe“. Der 52-Jährige, ehemalige Verteidiger wurde mit Italien 2006 Weltmeister und im gleichen Jahr zum Weltfußballer gewählt. Cannavaro übernahm eine Mannschaft mitten in einem Erfolgslauf von Timur Kapadze, der die Auswahl zur WM geführt hatte. Usbekistan gewann im September des vergangenen Jahres die Zentralasien-Meisterschaft und hat in den jüngsten 40 Spielen nur drei Niederlagen kassiert.
DR Kongo – Hoffen auf das erste WM-Tor
So wie Haiti ist auch die DR Kongo 52 Jahre nach der Premiere zum zweiten Mal bei einer WM-Endrunde dabei. Tor haben die „Leoparden“ 1974, als das Land noch Zaire hieß, in den drei Spielen aber noch keines erzielt (0:14 Tore). Kongo musste in der Qualifikation dreimal ins Play-off und setzte sich dabei zunächst im Afrika-Play-off gegen Kamerun (1:0) und Nigeria (im Elferschießen) sowie im anschließenden Interkontinental-Play-off gegen Jamaika (1:0 n.V.) jeweils knapp durch. Trainer Sébastien Desabre kann auf eine „goldene Generation“ um Aaron Wan-Bissaka (West Ham United), Yoane Wissa (Newcastle United) und Cedric Bakambu (Betis Sevilla) setzen. Kongo bekommt es nicht nur mit Portugal und Kolumbien, sondern in der Gruppe K auch mit WM-Neuling Usbekistan zu tun. Nach dem Ebola-Ausbruch im Land gewährten die USA dem Tross eine Ausnahmegenehmigung zur Einreise.