Der Versuch des Tausendsassas Gerhard Zeiler, die SPÖ zu retten, wird wohl ein Versuch bleiben. Denn: Die Traditionsparteien aus der Aufbauzeit der Republik und des Wirtschaftswunders können gar nicht gerettet werden.
Als ich noch ein Ganzjungredakteur war, fasste ich den Mut, den Außenminister und späteren Bundespräsidenten Rudolf Kirchschläger zu fragen: „Sagen Sie mir, weshalb verhalten sich Staaten so, wie sie sich verhalten?“ Der geduldige Herr mit großen Lehrerqualitäten holte aus: „Das müssen Sie so verstehen wie den Lebenszyklus eines Menschen: Staaten entstehen, wachsen heran, gewinnen Stärke, streiten, manche kommen vom richtigen Weg ab, werden alt und schwach und sterben.“
Nicht anders ist es bei alt gewordenen Parteien. Die Dynamik ist dahin. Sie sehnen sich nach Ruhe, nichts als Ruhe. Florenz schlief ein zu einem Museum der frühen Moderne. Europa folgt ebenso wie die reformunfähige UNO.
Die Sozialdemokratie hat ihre historische Aufgabe perfekt erledigt. Man könnte auch sagen: Sie hat sich selbst entbehrlich gemacht.
Das Neue kommt von den extremen Rändern. Das passt genau in die Welt aus den Fugen. Leider ist deren Zukunftsbild der Traum von gestern. Das wird sich dann irgendwie nicht ausgehen. Die Neuen werden sklerotisch gewordene Systeme aufbrechen – bis sie einmal selbst erstarren.
Das Ende ist der Anfang des nächsten Kreislaufs.