Zetteln Trump und Netanyahu einen neuen Krieg an?
US-Präsident Trump spricht offen über neue Angriffe auf den Iran, einem Bericht zufolge telefonierte er bereits mit Israels Premier über die Wiederaufnahme von Bombardierungen. Die israelische Opposition warnt davor, dass sich Netanyahu in einen neuen Krieg flüchtet, um an der Macht zu bleiben.
Die Wahlen in Israel haben zu einem politischen Patt geführt, langwierige Koalitionsverhandlungen stehen bevor. Noch ist unklar, ob das Mitte-links-Lager eine Regierung bilden kann oder ob es Langzeit-Premier Benjamin Netanyahu wieder schafft, ein Kabinett zu zimmern. Oppositionspolitiker Yair Golan warnte nun eindringlich davor, dass der Regierungschef im „Kampf um sein politisches Überleben“ einen neuen Iran-Krieg anzettelt.
Israels Sicherheit dürfe dabei nicht zum „Werkzeug“ werden, schrieb der Vorsitzende der linksliberalen Demokraten am Sonntag auf der Plattform X (siehe Post unten). Netanyahu fehle das Vertrauen der Öffentlichkeit, um eine solche militärische Auseinandersetzung zu führen. Golan forderte daher die rasche Bildung einer alternativen Regierung.
Brisantes Telefonat
Seine Sorge ist begründet. Einem Bericht des „Wall Street Journal“ zufolge telefonierte Netanyahu am Samstag mit US-Präsident Donald Trump. Das Telefonat habe vor dem Hintergrund von Vorbereitungen der USA auf eine Wiederaufnahme von Bombardierungen im Iran stattgefunden. Schon länger wird darüber spekuliert, dass das US-Militär gemeinsam mit Israels Streitkräften nach den Zwischenwahlen in den USA kommenden Dienstag, den 3. November, wieder im Iran angreifen könnte.
Trump überlegte bereits mehrfach laut, den schwelenden Konflikt mit Teheran nach den Wahlen wieder aufflammen zu lassen. Zuletzt brachte er am Samstag neue Angriffe auf Ziele im Iran ins Spiel. „Wir haben ihr Atomprogramm ausgeschaltet. Wir müssen uns noch um, ich würde sagen, ein oder zwei Anlagen kümmern, aber das können wir in zehn Minuten erledigen“, sagte er vor Journalisten auf seinem Anwesen Mar-a-Lago im US-Staat Florida. Konkret nannte Trump den Berg Kolang, auch als „Pickaxe Mountain“ bekannt, unter dem ein iranischer Atomkomplex vermutet wird.
„Darum muss man sich kümmern“
„Man könnte sich wahrscheinlich den Pickaxe Mountain ansehen, und darum muss man sich kümmern“, sagte Trump. Dieser „Spitzhacken-Berg“ liegt in der Provinz Isfahan rund 200 Kilometer südlich von Teheran nahe der Atomanlage Natanz. Die iranische Regierung bestreitet, dass dort Arbeiten an einem Atomprogramm stattfinden.
Trump erklärte zugleich, die USA hätten es mit weiteren Angriffen nicht eilig. Die Gespräche über ein Ende des Iran-Krieges liefen „gut“, allerdings seien die Iraner „nicht sehr zuverlässig“. US-Außenminister Marco Rubio hatte zuvor erklärt, Trump habe über neue Angriffe noch nicht entschieden. Die USA seien offen für eine diplomatische Lösung.
Teheran droht mit „geografisch uneingeschränkter Antwort“
Irans Außenminister Abbas Araqchi hatte am Samstag erklärt, derzeit seien keine Treffen mit US-Vertretern geplant. Konsultationen über Vermittler liefen jedoch weiter. Irans Oberster Führer Mojtaba Khamenei warnte vor neuen Angriffen und drohte mit einer „sofortigen, wirkungsvollen und geografisch uneingeschränkten Antwort“. Der Krieg hatte Ende Februar mit Angriffen der USA und Israels begonnen. Nach dem Scheitern einer Vereinbarung im Juni waren die diplomatischen Bemühungen ins Stocken geraten.