Zverev: „Eines der besten Gefühle auf der Welt!“
Der Tennis-Zirkus hat einen neuen König! Alexander Zverev übernimmt dank des Viertelfinal-Einzugs in Wien den Thron des Weltranglisten-Ersten.
Die Wiener Stadthalle, gestern 20.21 Uhr: Alexander Zverev riss die Arme in die Höhe, die 9800 Zuschauer erhoben sich von ihren Sitzen, lieferten minutenlange Standing Ovations: Die Tennis-Welt hat einen neuen König, mit dem 6:4, 7:5 im Viertelfinale über Tallon Griekspoor ist er am Montag offiziell erstmals die Nummer eins der Welt! „Es ist eines der besten Gefühle auf der Welt“, grinste der 29-Jährige. „Das in Wien zu feiern ist besonders, die Stadthalle ist eines meiner Lieblingsstadien.“
Sein erster Weg führte zu seinen Liebsten in die Box, dann wurde ein Video mit Bildern seiner Karriere eingespielt – bei dem Zverev Tränen in den Augen hatte.
Ja, der Deutsche ist am sportlichen Höhepunkt seines Schaffens angekommen, ist die 30. Nummer eins der Geschichte, die zweite aus Deutschland nach Boris Becker. Und die sechste, die das sowohl bei den Junioren als auch bei den Profis war. Früh schien sein Weg vorbestimmt – bis zur Krönung dauerte es aber lange.
Seine ersten drei Major-Finali verlor er, galt trotz Olympiasieg und ATP-Finals-Titel als ewiger Zweiter, lief seinem Kindheitstraum jahrelang hinterher. Doch heuer bei den French Open platzte der Knoten, bei den US Open in New York legte er den zweiten Grand-Slam-Titel nach. Mit eisernem Willen, Disziplin und Durchhaltevermögen gelang der Sprung auf den Thron, mit 29 Jahren und am Montag 196 Tagen ist er nun der zweitälteste Premieren-ATP-Erste der Geschichte nach John Newcombe.
„Fühle mich hier geliebt“
Bei seinem Weg stets an seiner Seite: Papa und Trainer Alexander, Bruder Mischa, einst selbst Nummer 25 der Welt. Und Freundin Sophia Thomalla, die auch nach Wien mitflog. Im Gegensatz zu Mama Irina, einst sowjetische Tennisspielerin, die bei Zverevs Spielen nie im Stadion ist, zu aufgeregt ist, gestern auf Mallorca weilte.
Aber ihrem Sohnemann einst die Karriere ermöglicht hatte: Mit vier Jahren wurde bei Zverev Diabetes Typ 1 diagnostiziert – unbehandelt lebensbedrohlich! Die Ärzte schlossen eine Profi-Karriere aus, „Sascha“ und seine Mama glaubten aber daran – und behielten Recht. Am Rücken trägt Zverev einen Sensor, misst seine Blutzuckerwerte während der Spiele, spritzt sich bei Bedarf Insulin. Und nützte Erkrankung und Bekanntheitswert, um eine Stiftung zu gründen: „Wir haben drei Krankenhäuser aufgebaut, helfen 1200 Kindern weltweit.“
So eroberte Zverev, zu Beginn seiner Karriere oft als überheblich und arrogant abgestempelt, später mit Vorwürfen der Körperverletzung gegenüber der Ex-Freundin konfrontiert, mehr und mehr Herzen der Tennis-Welt. So auch jene in Wien. Die es neben Zverev speziell mit Carlos Alcaraz halten. Der Spanier zog gestern mit dem 6:1, 7:6 über Nikolos Basilaschwili ins Viertelfinale ein: „Ich fühle mich hier wirklich geliebt.“