„27 Grad in der Früh in Klassen nicht tragbar“
Die Grünen fordern einen Hitzeschutzplan für Schulen und Kindergärten. Steirischer Lehrervertreter bestätigt das Problem. Im Landtag wollte man zudem wissen, wie vulnerablen Gruppen bei der Hitzebelastung geholfen wird.
Mit „36 Grad und es wird noch heißer“ begann die grüne Abgeordnete Veronika Nitsche am Dienstag ihre Rede im steirischen Landtag. Tatsächlich sollen diese Woche Temperaturen über 30 Grad in der Steiermark zurückkehren. „Schüler und Lehrer stöhnen unter der Hitze in Klassenräumen, die Konzentration sinkt. Optimal zum Lernen wären 22, 23 Grad“, so Nitsche. Die Auswirkungen der Klimakrise würden sich direkt in den Klassenräumen widerspiegeln.
Nitsche wollte von Bildungslandesrat Stefan Hermann (FPÖ) wissen, wie das Land die Gemeinden als Schulerhalter unterstütze? Die Grünen fordern einen umfassenden Hitzeschutzplan für Schulen und Kindergärten. Denn die Folge der Hitze seien Konzentrationsschwierigkeiten, Erschöpfung und verminderte Leistungsfähigkeit. Hermann meinte, dass in Rücksprache mit der Bildungsdirektion nur in einem Fall – der Volksschule Smart City in Graz – das Problem bekannt sei. Die Kühlanlage dort wurde geprüft, das Problem behoben. Für Ausstattung und Sanierung wären die Schulerhalter selbst zuständig, die Bildungsdirektion unterstütze gerne bei der Planung.
Laut Lehrervertretung einige Standorte betroffen
Die Grünen fühlen sich nicht ernst genommen. Tatsächlich heißt es auch von der Lehrervertretung, dass das Problem nicht nur eine Grazer Volksschule, sondern „einige Standorte in der Steiermark, vor allem im Süden“ betrifft, so Florian Gollowitsch von der FSG. „Es gibt Schulen mit enorm vielen Fensterfronten, wo Jalousien nicht ausreichen. In der Planung muss mitbedacht werden, wie Schulen klimafit gemacht werden können“, sagt Gollowitsch zur „Krone“.
All das koste natürlich Geld. „Die Gemeinden alleine können die Kosten dafür nicht stemmen. Aber 27 Grad in der Früh im Klassenzimmer sind Schülern einfach nicht zumutbar“, so der Lehrervertreter. Aus eigener Erfahrung als Lehrer weiß er, wie schnell die Konzentration in so einem Fall sinken kann.
Hitzebelastung: Amesbauer sieht keine Zuständigkeit
Die grüne Klubobfrau Sandra Krautwaschl wollte zudem per Dringlicher Anfrage wissen, was das Land für vulnerable Gruppen (Menschen mit Beeinträchtigung, ältere Menschen, Armutsgefährdete, Alleinerzieherinnen) aufgrund steigender Hitzebelastung macht. „Wir wissen, dass sozial benachteiligte Menschen besonders unter der Hitze leiden.“ Soziallandesrat Hannes Amesbauer (FPÖ) antwortete, dass „für das Sozialressort keinerlei Zuständigkeit für Hitzeperioden“ besteht. Eine zunehmende Hitzebelastung armutsgefährdeter Menschen sei ihm nicht bekannt.
ORF, Ärzte, Kinder: Was im Landtag noch Thema war...
Einen Schlagabtausch gab es noch zur geplanten Abschaffung der ORF-Landesabgabe. Das sind knapp 30 Millionen Euro, die normal als Förderung an Kultur- und Sporteinrichtungen fließen. SPÖ-Klubobmann Hannes Schwarz fragte Landeshauptmann Mario Kunasek (FPÖ) nach einer Kompensation. Kunasek versprach „weiter ein starker Partner für steirische Vereine“ zu sein und betonte die Entlastung für die Bürger. Die SPÖ wiederum sieht das „Kultur- und Sportland Steiermark gefährdet“.
Ebenfalls von der SPÖ wurden die langen Wartezeiten auf Arzttermine und Operationen als Dringliche Anfrage in die Debatte eingebracht. „Menschen bekommen dann Termine, wenn sie privat zahlen“, so Abgeordnete Doris Kampus. „Es gehen Leute auf Ambulanzen, die eigentlich Hausärzte brauchen.“ Kampus fordert einmal mehr für jeden Grazer Bezirk ein niederschwelliges Gesundheitszentrum.
Und die Neos pochten per Dringlicher Anfrage auf Details zu dem konkreten Deutschförderbedarf in steirischen Kindergärten und Volksschulen. Sie fordern ja bekanntlich einen Sprachtest für Dreijährige und genug Sprach-Förderkräfte.