Biden schießt gegen Trump: „Was für ein Verlierer“
Mit einer ungewöhnlich scharfen Rede hat sich der ehemalige US-Präsident Joe Biden zurück auf die politische Bühne gemeldet. Bei einer Veranstaltung der Demokratischen Partei im Bundesstaat Maryland bezeichnete er seinen Nachfolger Donald Trump als „Verlierer“, warf ihm Korruption in historischem Ausmaß vor und kritisierte dessen Umgang mit den NATO-Verbündeten sowie mit den Verurteilten des Kapitolsturms.
Die Attacke erfolgte zwei Jahre nach jenem TV-Duell gegen Trump, das Bidens Wiederwahlpläne letztlich scheitern ließ. Vor Anhängern der Demokraten ließ der 83-Jährige kaum ein gutes Haar an einer Reihe von Projekten seines Nachfolgers.
Er verwies unter anderem auf den Abriss des Ostflügels des Weißen Hauses zugunsten eines Ballsaals, Trumps Namenszug am Kennedy Center, Pläne für einen Triumphbogen sowie die Sanierung des Wasserbeckens vor dem Lincoln Memorial. Nach dieser Aufzählung sagte Biden: „Was für ein Verlierer.“
Entsetzt über „schamlose Korruption“
Der Ex-Präsident beschränkte sich laut dem britischen „Guardian“ jedoch nicht auf Kritik an Trumps Bauprojekten, sondern bezeichnete vor allem die angebliche Korruption der Regierung als das eigentliche Problem. Biden sagte: „Es ist die Korruption – die unverhohlene, schamlose Korruption. Korruption in einem Ausmaß, wie es in der amerikanischen Geschichte unter keiner Regierung je gegeben hat.“
CNN bezeichnete die Rede gar als eine der deutlichsten Attacken Bidens auf Trump seit seinem Ausscheiden aus dem Weißen Haus. Biden kritisierte darin etwa auch Pläne, Steuergeld für Entschädigungen an am Sturm auf das Kapitol vom 6. Jänner 2021 beteiligte Personen einzusetzen. „Diese Leute verdienen keine Entschädigung. Sie gehören für sehr, sehr lange Zeit ins Gefängnis“, sagte der frühere Präsident.
Kritik an Putin-Bund und der NATO-Politik
Neben innenpolitischen Themen griff Biden auch Trumps Außenpolitik an. Er warf ihm vor, die Beziehungen zu den NATO-Partnern bewusst zu beschädigen und die internationale Stellung der Vereinigten Staaten geschwächt zu haben. Zudem kritisierte er Trumps Verhältnis zum russischen Präsidenten Wladimir Putin.
Rede an symbolträchtigem Tag
Dass Biden gerade jetzt mit einer derart kämpferischen Rede auftrat, gilt als symbolträchtig. Genau zwei Jahre zuvor hatte er in einer Fernsehdebatte gegen Trump einen viel kritisierten Auftritt hingelegt. Wenig später zog er seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2024 zurück und machte den Weg für Vizepräsidentin Kamala Harris frei, die die Wahl schließlich gegen Trump verlor.
Schwierige Zeit nach dem Weißen Haus
Seit seinem Ausscheiden aus dem Amt tritt Biden immer wieder bei Veranstaltungen der Demokraten auf. Gleichzeitig bleibt seine Rolle innerhalb der Partei umstritten. Laut einer aktuellen Umfrage bewerten nur noch 30 Prozent der US-Bevölkerung den ehemaligen Präsidenten positiv.
Auch Bidens Familie steht zuletzt wieder verstärkt im öffentlichen Fokus. Seine Ehefrau Jill Biden veröffentlichte Anfang Juni ihre Memoiren und wirbt seither mit einer Buchtour dafür. Sohn Hunter Biden sorgt unterdessen mit zahlreichen Beiträgen in sozialen Netzwerken und Podcast-Auftritten für Aufmerksamkeit. Zudem arbeitet Joe Biden an seinen eigenen Memoiren. Gleichzeitig befindet er sich nach seiner im vergangenen Jahr bekannt gegebenen Krebsdiagnose weiterhin in medizinischer Behandlung.