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Das „Bist du deppat“ eines Reporters aus Paraguay

· Sport

Paraguay genoss den kurzfristig von Präsident Santiago Peña ausgerufenen Feiertag am Dienstag in vollen Zügen. Das ganze Land feierte die Sensation gegen Deutschland. Und wie bei Österreichs 3:3 gegen Algerien wurde ein TV-Kommentator zur Kultfigur. Wie er den Sieg im Elfmeterschießen feierte, erinnerte sehr an das „Bist du deppat“ von ORF-Mann Daniel Warmuth nach dem Tor von Sasa Kalajdzic. Ein Deutscher, der mit einer Paraguayerin verheiratet ist, erklärt die Bedeutung von Fußball in dem südamerikanischen Land.

Der Sieg von Paraguay gegen Deutschland im Sechzehntelfinale der WM löste in dem südamerikanischen Land einen unbeschreiblichen Freudentaumel aus. In der Nacht nach dem Match ging es in vielen Teilen des Landes hoch her. Überall fanden Partys und Autokorsos statt. Teilweise kam der Verkehr völlig zum Erliegen.

Am Tag danach feierte das Land neben der Mannschaft auch zwei TV-Kommentatoren, die völlig ausflippten. Das erste Mal zuckten sie nach Paraguays 1:0 von Enciso aus.

Und nach dem letzten Elfmeter brachen dann alle Dämme. Ihr Gefühlsausbruch hat in Paraguay einen ähnlichen Kultstatus wie das „Bist du deppat“ von ORF-Kommentator Daniel Warmuth nach Österreichs 3:3-Ausgleich gegen Algerien.

Spieler rannten zu Roque Santa Cruz
Weitere Parallele zum Österreich-Spiel gegen Algerien: Während Ex-Teamspieler Andi Herzog als TV-Experte nach dem 3:3 von Kalajdzic in der Jubeltraube war, feierte Paraguays Ex-Teamspieler Roque Santa Cruz als TV-Experte ebenfalls mit den Spielern im Stadion. Sie kamen alle zu ihm gerannt (siehe Video unten).

„Sieg gegen Deutschland wie der WM-Titel“
Alexander und Gilda Vera Martinez, die aus Paraguays Hauptstadt Asuncion stammt und im deutschen Erlangen das südamerikanische Restaurant „La Martinez“ betreibt, konnte nach dem Sieg vor Freude kaum schlafen. Ihr Mann erzählt: „Der Fußball hat in Paraguay einen ganz anderen Stellenwert als in Deutschland. Der Erfolg gegen Deutschland fühlt sich für die Menschen wie der WM-Titel an. Paraguay ist ein kleines Land mit nur sieben Millionen Einwohnern, da liefert der Fußball den Menschen eine riesige Freude. Die Spieler sehen sich verantwortlich für die Bevölkerung daheim. Sie spielen so, als ob es um Leben und Tod geht.“

Kilometerlanges Spalier
Der große Fußball-Fan hält fest: „Paraguay ist das erste Mal seit 2010, als sie erst im Viertelfinale gegen den späteren Weltmeister Spanien 0:1 verloren, wieder bei einer WM dabei. Die Euphorie vor dem Turnier war riesig, sie wurden mit einem kilometerlangen Spalier von Fans verabschiedet. Nach dem letzten Testspiel gegen Nicaragua gab es ein riesiges Feuerwerk.“

Und dann kam das erste Spiel und eine 1:4-Niederlage gegen die USA. Aber die Mannschaft, die in der südamerikanischen WM-Qualifikation auch die Giganten Argentinien und Brasilien besiegte, kam zurück, besiegte die Türkei durch ein Tor in der ersten Minute und einem heroischen Kampf nach einer Roten Karte mit 1:0. Es herrschte wieder Euphorie.

Das 0:0 gegen Australien löste trotz des Aufstiegs allerdings in der Heimat wieder etwas Enttäuschung aus, weil die Leistung nicht der DNA der Mannschaft entsprach. Aber nach dem heroischen Sieg gegen Deutschland sind Trainer Gustavo Alfaro und seine Spieler für Volkshelden.

„Träume kennen keine Grenzen“
Alexander sagt: „Sie haben aus ihren Möglichkeiten das Maximum herausgeholt, Deutschland nicht. Mit 900 Querpässen hebelst du keine Abwehr aus. Das war über 120 Minuten betrachtet einfach viel zu wenig.“ Seine Ehefrau Gilda schwärmt: „Man sagt, Träume kennen keine Grenzen … und Paraguay hat es einmal mehr bewiesen. Mit Demut, Mut und großem Herzen haben wir ein unvergessliches Kapitel geschrieben. Vielen Dank, Albirroja, für diesen immensen Stolz!“