Kultur

Der heilige Franziskus im Gesang der Schöpfung

Der heilige Franziskus im Gesang der Schöpfung

Auch mit der meisterhaften Produktion von Messiaens Oper „Saint François d’Assise“ schreibt sich die Ära von Markus Hinterhäuser („postum“) in die Festspielgeschichte ein. 

Tiefgläubig und ein fanatischer Ornithologe. Beides vereinte sich im großen französischen Komponisten Olivier Messiaen (1908-1992). Damit erklärt sich auch die Stoffwahl für sein einziges musiktheatralisches Werk geradezu zwingend: das Leben des heiligen Franz von Assisi.

Das alle gängigen Dimensionen sprengende Werk wurde 1971 in Auftrag gegeben, kam aber erst 1983 in Paris heraus. Und überforderte – mit seiner Spielzeit von über vier Stunden und seinem monströsen Orchesterapparat. Erst Gerard Mortiers mehrfacher Einsatz sicherte dem Werk die Zukunft. Die begann grandios, legendär mit der Inszenierung von Peter Sellars in der Felsenreitschule 1992. 

Markus Hinterhäuser schloss nun daran an und holte dafür den Bühnenphilosophen Romeo Castellucci und Dirigent Maxime Pascal, der in der Intendanz Hinterhäusers zentrale Wegmarken gesetzt hat. 

Eine weitere, bedeutsame gelang diesmal. Ein Klangwundermarathon geradezu überirdischer Dimension. Pascal, die Wiener Philharmoniker sonder Zahl plus drei Solisten an den für Messiaens Klang unverzichtbaren, elektronische Wellenklänge erzeugenden Ondes-Martenot-Instrumenten. So erstand eine Klangwelt aus Blech-Kaskaden, flirrenden Streicher-Flächen und einem unerhörten Vogelstimmenkonzert. Immer wieder noch erhöht durch die Sphärengesänge der phänomenalen Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor aus dem Off. 

Verbrämt wird das durch die faszinierend hochästhetischen, wenn auch diesmal sehr lyrischen, künstlerisch und kunsthistorisch operierenden Bilderwelten und Tableaus von Romeo Castellucci. Er kommentiert und illustriert, differenziert den Heiligen über den Operntext hinaus aus. Rund um den Höhepunkt der Vogelpredigt. In der lässt Castellucci die Tiere tot vom Himmel regnen. Als eindrückliche Warnung vor der Verletzlichkeit der Schöpfung. Der ordnet sich auch der Franziskus von Philippe Sly demütig in einer sich geradezu selbst verleugnenden Meisterleistung unter.

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