Diese Häftlinge sollen vorzeitig entlassen werden
Neuer Zündstoff in der Koalition: Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ) will mit einer einmaligen Amnestie bis zu 500 Häftlinge vorzeitig aus den Gefängnissen entlassen. Während die SPÖ auf eine Entlastung der überfüllten Justizanstalten setzt, reagiert die ÖVP verschnupft. Sie kritisiert fehlende Abstimmung innerhalb der Regierung und warnt vor einem Sicherheitsrisiko für die Bevölkerung.
Wohl ohne sich mit dem Regierungspartner abgesprochen zu haben, kündigte Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ) die vorzeitige Entlassung von 500 Häftlingen an. Das Ziel ist vor allem die Entlastung der Justizanstalten, die bekanntlich aus allen Nähten platzen.
ÖVP reagiert verschnupft auf Sporrer-Vorhaben
In der ÖVP stößt das Vorhaben weiterhin auf Skepsis. Klubobmann und Sicherheitssprecher Ernst Gödl fordert zunächst eine genaue Vorlage der Pläne. „Wir bleiben dabei: Voreilige Schnellschüsse sind nicht zielführend“, sagte Gödl zur „Krone“. Vorrang habe die Sicherheit der Bevölkerung. „Die Ministerin muss sich bewusst sein, welches Signal sie damit aussendet, wenn sie ins Blaue hineinredet, dass sie 500 Häftlinge entlassen will.“ Die Volkspartei werde einschreiten, sollte die öffentliche Sicherheit gefährdet werden. „Die ÖVP sagt klar: Stopp, wenn die Sicherheit der Menschen gefährdet wird“, betonte Gödl.
„Wir warten darauf, dass sie uns diese als Regierungspartner vorlegt. Dann kann man weiterdiskutieren auf Grundlage des Regierungsprogramms“, kritisiert der ÖVP-Klubobmann die fehlende Abstimmung der SPÖ mit ihren Koalitionspartnern. Dort sei als Maßnahme zur Entlastung der Gefängnisse insbesondere die Ausweitung der Verbüßung von Strafen mittels elektronischer Fußfessel vorgesehen. Auch zu den angekündigten Plänen für eine stärkere Nutzung der Fußfessel gebe es bisher keine Details. „Auch hier erwarten wir mit Spannung den Vorschlag der Frau Ministerin“, sagte Gödl.
Drei Gruppen von Häftlingen
Ausgeschlossen von den Haftentlassungen sollen Personen sein, die wegen schwerer Gewalt- oder Sexualdelikte, Terrorismus, staatsfeindlicher Verbindungen oder Verstößen gegen das Verbotsgesetz verurteilt wurden. Auch gefährliche Rückfallstäter sollen nicht von der Maßnahme erfasst werden. Von den Plänen der Ministerin profitieren würden drei Gruppen von Strafgefangenen:
Für die Umsetzung der Amnestie ist allerdings ein eigenes Gesetz erforderlich – dafür braucht es die Zustimmung der Koalitionspartner. Dieses soll nach den Plänen des Justizressorts im Herbst beschlossen werden. Gleichzeitig sollen weitere Maßnahmen zur Entlastung der Justizanstalten auf den Weg gebracht werden, darunter eine Ausweitung des Modells „Haft in der Heimat“.