Eltern-Kind-Pass: Ärzte führen Stricherl-Listen
Mehr Beratung, ein Gesundheitsgespräch und ein zusätzlicher Ultraschall: Das neue Untersuchungsprogramm bringt Schwangeren einige Verbesserungen. Doch zum Start hakte es bei der Abrechnung. In der Steiermark greifen Ärzte deshalb vorerst zu Stricherl-Listen.
Viel Neues für Schwangere bringt der Oktober. Seit Oktober gilt das neue Untersuchungsprogramm. Neben einer zweiten Hebammenberatung gibt es nun ein Gesundheitsgespräch, bei dem auch die psychische Gesundheit und mögliche Belastungen zur Sprache kommen sollen. Dazu kommen erweiterte Laboruntersuchungen und ein zusätzlicher Ultraschall gegen Ende der Schwangerschaft. So sollen mögliche Risiken für Mutter und Kind besser erkannt werden.
Der Start gestaltete sich aber – wie berichtet – holprig. In Wien, Niederösterreich und in der Steiermark gab es bis zuletzt Unklarheiten rund um die Abrechnung der neuen Leistungen – die steirische Ärztekammer hat deshalb sogar empfohlen, Ultraschalluntersuchungen vorerst nur als Privatleistung anzubieten. Nach einer schriftlichen Zusage der Sozialversicherungen gibt es nun eine Zwischenlösung: „Bis auf Weiteres führen die Ärzte Stricherl-Listen, damit die Untersuchungen im Nachhinein abgerechnet werden können“, so Dietmar Bayer, Vizepräsident der Ärztekammer Steiermark.
ÖGK: „Brauchen dafür nichts zu bezahlen“
Der Hintergrund laut Kammer-Vizepräsident: Bisher habe ein Zusatzvertrag die Honorierung für Ultraschalluntersuchungen geregelt. Rund 180.000 Euro jährlich seien dafür aus einem inzwischen leeren Strukturtopf gekommen. Mit der neuen Rechtsgrundlage verliere die bisherige Vereinbarung ihre Gültigkeit. Eine neue fehle noch. Die Ärzte könnten deshalb nicht sicher sein, dass ihre Leistungen bezahlt werden.
Die ÖGK widerspricht auf „Krone“-Anfrage entschieden: „Die Finanzierung ist sichergestellt.“ Ultraschalluntersuchungen seien weiterhin Kassenleistungen. „Sollten Kassenärzt*innen dafür einen Privattarif verlangen, wäre dies unzulässig.“ Für Schwangere stellt die Kasse klar: Wer die Untersuchung in einer Kassenpraxis in Anspruch nimmt, brauche dafür nichts zu bezahlen.
Ärzteboykott wurde in letzter Sekunde abgesagt
In Wien hat sich der Streit inzwischen beruhigt. Die Wiener Ärztekammer hatte ihren Mitgliedern zunächst empfohlen, die neuen Leistungen vorerst nicht anzubieten. Offene Vertragsfragen, Probleme bei der Abrechnung und fehlende Zusatzhefte lauteten die Kritikpunkte. Die Wiener Ärztekammer gab zuletzt weitgehend Entwarnung. Nach Korrekturen befürwortet die Ärztekammer die Umsetzung, sieht aber weiterhin Verbesserungsbedarf.
„Dicke Brieftasche“ für eine Schwangerschaft?
Darüber ärgerte sich auch Grünen-Gesundheitssprecher Ralph Schallmeiner: „Zuerst der Boykott-Aufruf in Wien, jetzt eine Empfehlung, die Ultraschall-Untersuchungen zur Privatleistung machen“, kritisierte er. Ministerin Korinna Schumann und ihre Staatssekretärin müssten endlich für klare Verhältnisse sorgen.
Seine Warnung: „Wenn hier nicht umgehend eingegriffen wird, dann wird eine Privatversicherung oder eine dicke Brieftasche zur Grundvoraussetzung für eine Schwangerschaft.“ Die Lösung müsse österreichweit funktionieren.