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„Es macht sich landesweit ziemlicher Unmut breit“

· Politics

Der Zweite Landtagspräsident Johann Tschürtz (FPÖ) im Gespräch über die Lage der Freiheitlichen im Burgenland und ob er noch einmal Parteichef werden will.

„Krone“: Sie sind seit rund eineinhalb Jahren Zweiter Landtagspräsident. Wie sieht Ihre Bilanz aus?
Die Tätigkeit ist eine sehr ehrenvolle Aufgabe, welche ich mit Freude und Überparteilichkeit ausübe. Besonders hervorheben möchte ich die respektvolle, taktvolle und verbindliche Zusammenarbeit mit Astrid Eisenkopf und Claudia Schlager.

Was waren für Sie wichtige Initiativen?
Gemeinsam mit meinen Präsidentenkolleginnen und in der Präsidiale werden alle Initiativen sehr lösungsorientiert besprochen. Auf die Schüler und Jugenddiskussionsveranstaltungen im Landtag wird besonders Wert gelegt.

Wie war für Sie die Umstellung vom politischen Tagesgeschäft zu einer „ruhigeren“ Position?
Als Landeshauptmann-Stellvertreter, wo ich für den Bereich Sicherheit zuständig war, war die Entscheidungsgrundlage natürlich wesentlich höher. Vor allem die vielen Besprechungen zur Umsetzung von Anliegen und die Veranstaltungsbesuche waren zeitintensiver, wobei ich diese Verantwortung sehr gerne wahrgenommen habe.

Die FPÖ hatte zuletzt immer wieder mit Unwegsamkeiten zu kämpfen – etwa der Abgang von Norbert Hofer.
Schade, dass Norbert Hofer als Klubobmann zurückgetreten ist. Er bleibt uns aber als Landtagsabgeordneter erhalten und wird sich weiterhin inhaltlich positiv einbringen. Er hat eine sehr verantwortungsvolle Tätigkeit in der Privatwirtschaft übernommen, wofür ich ihm alles Gute wünsche. Ich habe alle Höhen und Tiefen in der Freiheitlichen Partei durchlebt und bin sehr glücklich darüber, dass wir einen bundesweiten noch nie dagewesenen Aufschwung mit Herbert Kickl haben.

Nächstes Jahr sind Gemeinderatswahlen. Wie sehen Sie die FPÖ dafür aufgestellt?
Die FPÖ Burgenland hat so viele Abgeordnete wie noch nie in der Geschichte. Wir sind zweitstärkste Kraft im Land und sollten dementsprechend auch bei der kommenden Gemeinderatswahl ordentlich zulegen. Leider ist kein deutlicher Zuwachs an möglichen Kandidaten zu erkennen, ausgenommen sind einige regionale Bereiche.

Welchen Einfluss hat der Aufwind im Bund dabei?
Selbstverständlich spielt die bundesweite Situation eine wesentliche Rolle. Alle Bundesländer profitieren derzeit vom Bundestrend. Herbert Kickl mit seinen Generalsekretären Michael Schnedlitz und Christian Hafenecker machen eine hervorragende Arbeit. Daher ist es auch sehr wichtig, die Organisation der FPÖ Burgenland auf Vordermann zu bringen.

Aktuell gibt es offenbar unterschiedliche Meinungen, wer am geeignetste ist, die FPÖ in die nächsten Wahlen zu führen. Auch Ihr Name wird als möglicher Herausforderer für Parteiobmann Alexander Petschnig genannt. Würden Sie noch einmal die Parteiführung übernehmen?
Nachdem sich zig Funktionäre anlässlich des „Krone“-Berichtes, in dem ich genannt wurde, bei mir gemeldet haben, möchte ich festhalten, dass es nicht meine Lebensplanung ist, die Landespartei zu übernehmen. Es ist aber auch festzuhalten, dass sich landesweit ziemlich Unmut breit macht. Es ist mir eine Ehre, dass ich genannt werde, aber es ist notwendig, der Partei wieder frischen Wind zu geben, um mit Elan in eine Aufbruchsstimmung zu kommen. Das ist derzeit nicht der Fall. Die Vernachlässigung des Organisationsaufbaues sowie unserer Vorfeldorganisationen, wo er Bereich Jugend hervorzustreichen ist, hat sich in der Führungsebene verankert. Alexander Petschnig macht zwar einen guten Job im Nationalrat, aber die Landesarbeit und diesbezügliche Initiativen fehlen. Nach der derzeitigen Stimmungslage ist davon auszugehen, dass beim Landesparteitag im Oktober „demokratisch legitim“ ein weiterer Kandidat für die Funktion des Landesparteiobmannes antreten wird.