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Finanzbildung kommt in die Geografie-Lehrpläne

Finanzbildung kommt in die Geografie-Lehrpläne

Wie schließt man einen Mietvertrag ab und was ist ein ETF? Inhalte wie diese sollen ab Herbst 2027 in die Lehrpläne der österreichischen Schulen kommen. Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS), Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) und Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl (ÖVP) präsentierten am Dienstag gemeinsam mit OeNB-Gouverneur Martin Kocher eine neue Finanzbildungsstrategie. 

Wie geht man richtig mit Geld um? Wenn man Schüler fragt, seien Finanzen und Wirtschaft das Nummer-eins-Thema, das sie sich in der Schule wünschen, sagt Bildungsminister Wiederkehr. Deswegen zielen 137 von 235 Maßnahmen der neuen Finanzbildungsstrategie auf den Schul- und Kindergartenbereich ab. „Es ist unglaublich wichtig, dass wir die Finanzbildung verstärken. Die Erfolge fruchten, aber wir gehen den Weg konsequent weiter.“

Konkret geht in den AHS-Oberstufen keine Latein- oder Fremdsprachenstunde dafür drauf. Verantwortlich sind Geografie-Lehrer, die sowieso bereits Wirtschaftsthemen unterrichten. Die werden nun verstärkt. „Es ist eine Verschiebung von geografischen hin zu wirtschaftlichen Themen“, sagt Wiederkehr. „Wir verändern die Lehrpläne und nehmen konkrete Fragen mit. Was sind Mietverträge? Was sind Versicherungen, was sind Anleihen, ETFs und Bitcoins?“ 

Das sei eine „deutliche Stärkung der Finanz- und Wirtschaftsbildung“, so Wiederkehr, sowohl zu makroökonomischen als auch individuellen Themen. Die neuen Lehrpläne sind in Ausarbeitung und kommen ab Herbst 2027. 

Maßnahmen in allen Bereichen
Insgesamt umfasst die neue Finanzbildungsstrategie aber mehr Bereiche als nur die Schulen, sagt Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl. „Über ein Jahr Arbeit steckt in der Strategie mit sieben Schwerpunkten.“ Das Sozialministerium kümmert sich um das Thema Überschuldung, das Frauenministerium um Themen für Frauen und Mädchen. Das Bundeskanzleramt setzt die Strategie im Bereich Digitalisierung um. „Auch das Landwirtschaftsministerium ist mit an Bord. Seitens des Finanzministeriums widmen wir uns den Kapitalmärkten. Da haben wir sehr viel Potenzial, das wichtig ist, da wir gerade das auch Zukunftsdepot vorgestellt haben“, sagt Eibinger-Miedl. 

Kocher: „Meilenstein“
Nationalbank-Chef Martin Kocher sieht einen „Meilenstein“ in der Strategie. „Finanzwissen ist eine zentrale Zukunftskompetenz. Sie verhindert Überschuldung.“ 155.000 Menschen könne man mit den Angeboten bis jetzt erreichen. Aufholbedarf sieht Kocher bei älteren Menschen – vor allem in puncto Betrug.

Neu sind der längere Zeithorizont und die bessere Messung der Wirkung. „Es wird ein Finanzbildungstest entwickelt“, sagt Kocher. Der soll ein Selbsttest sein und dann Bildungsmaßnahmen vorschlagen. 

„Grundlage für gewaltfreies Leben“
Ein Fokus liegt auf der Finanzbildung von Frauen. „Das ist eine Frage von sozialer Teilhabe“, sagt Frauenministerin Holzleitner, deswegen sei der Dachverband der Frauen- und Mädchenberatungsstellen Teil der Strategie. „Finanzielle Unabhängigkeit ist die wichtigste Grundlage für ein selbstbestimmtes und gewaltfreies Leben.“ Man müsse auch mehr darüber sprechen, wie viel man verdiene, um den Gender Pay Gap zu schließen.

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