Das Worst-Case-Szenario sieht leere Kerosin-Notreserven bis Jahresende vor – deswegen will Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ) den österreichischen Luftverkehr krisenfest machen.
Die Sorge vor einer möglichen Kerosin-Knappheit hat Europa fest im Griff. Hintergrund sind die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten und die Unsicherheit über die künftige Versorgung über die strategisch wichtige Straße von Hormuz.
Wie die „Krone“ aus dem Verkehrsressort erfuhr, wurden deshalb die finanziellen Mittel im Rahmen des Doppelbudgets 2027 und 2028 abgesichert. Die Bundesregierung stellt künftig jährlich 30 Millionen Euro für Krisenmaßnahmen im Luftverkehr bereit. Sie sollen dazu dienen, den österreichischen Luftverkehrsstandort widerstandsfähiger gegen geopolitische Krisen und mögliche Energieengpässe zu machen.
Ende des Sommers wohl schon auf kritischem Niveau
Besonders alarmierend ist dabei ein Szenario, das derzeit gemeinsam mit Experten der Europäischen Kommission geprüft wird. Sollte die Straße von Hormuz längerfristig eingeschränkt bleiben, könnten die kommerziellen Kerosin-Lagerbestände laut Verkehrsministerium bereits gegen Ende des Sommers auf ein kritisches Niveau sinken. Bis zum Jahresende wären in diesem Fall auch die strategischen Notreserven weitgehend aufgebraucht. Selbst wenn die Straße von Hormuz ab Juli wieder geöffnet werden sollte, werden Notstandsreserven verwendet werden müssen ...
Verkehrsminister Hanke sprach von einer notwendigen Vorsorgemaßnahme. „Gerade in Zeiten geopolitischer Unsicherheiten müssen wir Vorsorge treffen und die Resilienz unseres Luftverkehrs erhöhen“, betonte er. Die budgetierten 30 Millionen Euro seien ein erstes wichtiges Signal an die Branche. Gleichzeitig fordert er auch die „politisch Verantwortlichen für Wirtschaft und Tourismus“ – gemeint sind Wolfgangs Hattmannsdorfer und Staatssekretärin Elisabeth Zehetner – auf, ebenfalls einen „darüber hinaus gehenden Beitrag für den heimischen Standort zu leisten“.
Noch ist unklar, wofür die Mittel konkret verwendet werden. Bis Ende September will das Verkehrsressort gemeinsam mit Fluggesellschaften, Flughäfen und weiteren Branchenvertretern Maßnahmen ausarbeiten, die im Krisenfall den größten Nutzen für die Versorgungssicherheit und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts bringen.
Die aktuellen Entwicklungen setzen die Luftfahrtbranche zunehmend unter Druck. Neben steigenden Treibstoffkosten belasten auch die Einschränkungen auf wichtigen Flugrouten im Nahen Osten die Airlines. Zudem bleibt europäischen Fluggesellschaften der russische Luftraum weiterhin verschlossen, was insbesondere Verbindungen nach Asien verteuert und verlängert.
Passagieraufkommen unter Vorjahreswert
Die Auswirkungen zeigen sich bereits an den österreichischen Flughäfen. Im April lag das Passagieraufkommen um 7,5 Prozent unter dem Vorjahreswert, im Mai betrug das Minus fünf Prozent. Besonders betroffen sind die Regionalflughäfen, die sich vielerorts noch immer nicht vollständig von den Folgen der Corona-Pandemie erholt haben.