Zehntausende Menschen haben am Sonntag in Genf gegen den G7-Gipfel demonstriert. Überschattet wurden die Proteste von Gewaltaktionen. Pflastersteine flogen, Schaufenster wurden eingeschmissen. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein.
Die Proteste in der Schweizer Grenzstadt richten sich vor allem gegen den Kapitalismus der G7-Staaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada, Japan und USA. Deren Staats- und Regierungschefs treffen sich ab Montag zum Gipfel – Der Auftakt dürfte von den Entwicklungen im Nahen Osten und im Ukraine-Krieg geprägt werden. Das Treffen findet in Evian auf der französischen Uferseite des Genfer Sees statt. Frankreich wollte dort aber keine Proteste dulden.
Anti-Trump-Plakate, Palästinenserflaggen
Deshalb meldeten die Organisatoren die Demonstration im 50 Kilometer entfernten Genf unter dem Motto „No G7“ an. Bei strahlendem Sonnenschein versammelten sich Zehntausende Menschen, die Organisatoren sprach von 60.000, die Polizei von 20.000 Teilnehmern. Viele trugen Plakate, die sich gegen US-Präsident Donald Trump richteten. Auch zahlreiche Palästinenserfahnen waren zu sehen. Der Marsch wurde von einer Koalition aus rund 60 verschiedenen Gruppen organisiert, darunter auch Feministinnen, Gewerkschaftsvertreter, Kurden und ein „revolutionärer Block“.
Der Protestzug verlief bis zum späten Nachmittag entlang der genehmigten Route. Die Polizei hielt sich im Hintergrund und war entlang der Route kaum zu sehen. Zunächst gab es auch keine Anzeichen einer Konfrontation. Dann brannte zuerst ein Auto und es kam zu weiteren Gewaltaktionen. Pflastersteine wurden aus dem Boden gerissen und zahlreiche Schaufenster eingeschmissen. Die Polizei setzte Tränengas und am Abend auch Wasserwerfer ein. Schließlich kesselten Polizeibeamte einen harten Kern von gewaltbereiten Demonstranten ein und stellte von mehreren Hundert Personen die Personalien fest.
Plünderungen befürchtet
Genf fürchtete Ausschreitungen in Erinnerung an verheerende Schäden und Geschäftsplünderungen bei einer Demonstration im Jahr 2003 gegen die G8 – damals noch mit Russland. Hunderte Genfer Geschäftsleute und Hoteliers verriegelten seit Tagen ihre Schaufenster mit Sperrholz.
Die Ereignisse von 2003 seien ein Trauma für die Genfer Polizei, sagte die Polizeichefin des Kantons, Monica Bonfanti. Die Genfer Polizei bot daher Verstärkung aus dem ganzen Land auf. Mehrere tausend Polizistinnen und Polizisten kontrollieren seit zwei Tagen überall in der Stadt Autos und Personalien von Passanten.
„Illegitime Institution“
Die „No G7“-Koalition protestierte laut einem Manifest gegen US-Militärbasen in Europa, für höhere Mindestlöhne, kostenlose Verhütungsmittel, grenzenlose Freizügigkeit für Arbeitende aus aller Welt und die Streichung der Angabe des Geschlechts aus allen Ausweisdokumenten. Die G7 seien demnach eine „illegitime und überholte Institution, ein privater Club, der nicht mehr der heutigen Welt entspricht“. Dort würden „Großmächte Entscheidungen zugunsten der privilegiertesten Minderheit der Welt und zum Nachteil von mehr als 90 Prozent der Bevölkerung“ fällen.