Politik

Große Obama-Gala zeigt ein ganz anderes Amerika

Große Obama-Gala zeigt ein ganz anderes Amerika

Die Eröffnung des Obama Presidential Center in Chicago wurde zu weit mehr als der Einweihung eines Museums. Während Trump mit seinen Feiern zum 250. Geburtstag der USA polarisiert, feierten Bono, Oprah, Springsteen, Biden und Clinton jetzt einen Abend, den viele als das schönere Amerika empfanden.

„Son of a b***“ – mit dieser Beschimpfung hatte Donald Trump erst vor ein paar Tagen erneut gegen Barack Obama ausgeteilt. Die Feindschaft zwischen den beiden Männern ist längst legendär. Doch ausgerechnet wenige Tage vor den großen Feierlichkeiten zum 250. Geburtstag der Vereinigten Staaten am 4. Juli spielte sich in Chicago ein Ereignis ab, das für viele Amerikaner wie das eigentliche Fest wirkte.

Während Trump für das Jubiläumsjahr mit Militärparaden, einem patriotischen Großfestival, historischen Nachstellungen, UFC-Kämpfen und anderen Show-Events Aufmerksamkeit erzeugen will, stand in Chicago etwas vollkommen anderes im Mittelpunkt: Musik, Hoffnung, Erinnerungen und prominente Gäste, die gemeinsam Barack Obama feierten.

Während Trump fernblieb und das neue Obama Presidential Center noch vor wenigen Monaten als „totale Katastrophe“ verspottet hatte, versammelten sich am Ufer des Michigansees mehr als 500 geladene Gäste zu einer Feier, wie sie die Vereinigten Staaten seit Jahren nicht mehr erlebt haben. Ex-Präsidenten, Weltstars, Bürgerrechtsikonen und Musiklegenden kamen zusammen. Für viele Beobachter wirkte die Veranstaltung wie ein Blick zurück in eine Zeit, in der Amerika zumindest versuchte, Brücken statt Mauern zu bauen.

Präsidenten, Popstars und Promis
Als Barack Obama gemeinsam mit Ehefrau Michelle und den mittlerweile erwachsenen Töchtern Malia und Sasha die Bühne betrat, brandete minutenlanger Applaus auf. Viele Gäste erhoben sich von ihren Sitzen. Die Familie präsentierte sich entspannt, lachte miteinander und genoss sichtbar den historischen Moment. Schließlich steht das neue Zentrum nur wenige Kilometer von jenem Stadtteil entfernt, in dem Obama einst als Gemeinwesenarbeiter begann und später seine politische Karriere startete. Für viele Besucher war es nicht nur die Eröffnung eines Museums, sondern eine Reise zurück in eine politische Ära, die bis heute Millionen Menschen bewegt.

Die Gästeliste erinnerte stellenweise eher an die Oscar-Verleihung als an die Einweihung eines Präsidentenzentrums. Medienikone Oprah Winfrey war ebenso vor Ort wie Hollywood-Star Tom Hanks, der Obama seit Jahren unterstützt. Auch Anne Hathaway ließ sich die Feier nicht entgehen. Dazu kamen Regie-Legenden wie Steven Spielberg und George Lucas, Schauspieler Mark Hamill, Gabrielle Union, die Late-Night-Größen David Letterman, Stephen Colbert und Conan O‘Brien sowie zahlreiche weitere Prominente aus Film, Fernsehen und Sport.

Doch nicht nur Hollywood reiste an. Mit Joe Biden, Bill Clinton und George W. Bush erschienen gleich drei ehemalige Präsidenten der Vereinigten Staaten. Begleitet wurden sie von Jill Biden, Hillary Clinton und Laura Bush. Auch Kamala Harris war gekommen. Aus dem Ausland reisten Deutschlands frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel und Kanadas ehemaliger Premierminister Justin Trudeau an. Dazu gesellten sich Bürgerrechtsikonen wie Al Sharpton und Andrew Young sowie Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom, der bereits als möglicher Präsidentschaftskandidat für 2028 gehandelt wird.

Michelle Obama sorgt für den emotionalsten Moment
Der wohl bewegendste Augenblick des Tages gehörte Michelle Obama. Als die ehemalige First Lady ans Rednerpult trat, wurde es auf dem gesamten Gelände still. Statt über Politik oder Wahlerfolge zu sprechen, richtete sie ihre Worte direkt an ihren Ehemann. Sie erinnerte daran, wie Barack Obama ihr vor Jahrzehnten versprochen habe, ihr zumindest ein interessantes Leben zu bieten. Was danach folgte, war eine Liebeserklärung, die selbst hartgesottene politische Beobachter berührte.

Michelle würdigte die acht Jahre ihres Mannes im Weißen Haus und die Belastungen, die das höchste Amt der Welt mit sich bringt. Sie sprach über seinen Optimismus, seine Standhaftigkeit und seinen Mut, als erster schwarzer Präsident der Vereinigten Staaten Geschichte zu schreiben. Während ihrer Rede wurde Obama sichtlich emotional. Kameras hielten fest, wie er sich eine Träne aus dem Auge wischte und immer wieder lächelnd zu seiner Frau hinübersah.

Musiklegenden liefern die große Show
Auch auf der Bühne wurde in Chicago groß aufgefahren. Jennifer Hudson eröffnete die Feierlichkeiten mit der amerikanischen Hymne und sorgte bereits zu Beginn für Gänsehaut. Christina Aguilera begeisterte anschließend mit ihrer Interpretation von „What a Wonderful World“. Danach folgte ein Musikprogramm, das selbst große Preisverleihungen neidisch gemacht hätte. Stevie Wonder, Bruce Springsteen, Bono und The Edge von U2, Marc Anthony, Common, Tems, John Legend und Eddie Vedder standen auf der Bühne. Die legendäre Hip-Hop-Band The Roots begleitete die gesamte Veranstaltung als Hausband.

Für einen besonders emotionalen Moment sorgte Pearl-Jam-Sänger Eddie Vedder. Gemeinsam mit Jugendlichen aus Chicago präsentierte er den eigens für die Eröffnung geschriebenen Song „Better Believe“. Später folgte ein weiterer Höhepunkt, als John Legend und Rapper Common gemeinsam „Glory“ aufführten – jenes Lied, das einst mit einem Oscar ausgezeichnet wurde und eng mit Obamas politischem Vermächtnis verbunden ist. Immer wieder erhoben sich die Gäste von ihren Sitzen, applaudierten minutenlang oder sangen sogar mit.

Ein Denkmal für eine Bewegung
Das neue Obama Presidential Center umfasst rund acht Hektar und soll künftig mehr als eine Million Besucher pro Jahr anziehen. Herzstück der Anlage ist ein rund 68 Meter hoher Turm, dessen Form vier Hände symbolisieren soll, die sich in Solidarität zusammenschließen. Daneben entstanden eine öffentliche Bibliothek, Sportanlagen, Basketballplätze, Spielbereiche, Gemeinschaftsräume und weitläufige Grünflächen. Die Verantwortlichen betonen immer wieder, dass das Projekt bewusst kein klassisches Präsidentenmuseum sein soll, sondern ein Ort für Begegnungen und Bildung.

Eintrittskarten bis Oktober restlos ausverkauft
Der Ansturm ist schon jetzt gewaltig. Eintrittskarten für das Museum sind bis Ende Oktober restlos vergriffen. Besucher können dort unter anderem einen Nachbau des Oval Office besichtigen, in dem Obama acht Jahre lang regierte. Die Nachfrage zeigt, dass das Interesse an seiner Geschichte ungebrochen ist.

Am Ende dieses Tages blieb vor allem ein Bild hängen: Während Donald Trump erneut gegen seinen langjährigen Rivalen schoss, feierten Präsidenten, Weltstars, Bürgerrechtler und Musiklegenden Barack Obama wie einen Staatsmann, Popstar und Hoffnungsträger zugleich.

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