Bis vor Kurzem sah die offizielle Parteilinie der ÖVP keine verpflichtende Herkunftskennzeichnung für Lebensmittel in der Gastronomie vor. Nach politischem Zähnefletschen von Bauernbund sowie Landwirtschaftskammer und entsprechenden Berichten der „Krone“ kommt jetzt aber endlich Bewegung in die Sache!
Viele Jahre wurde das Thema Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie auf die lange Bank geschoben. Doch der gesellschaftliche Wind hat sich mittlerweile gedreht. Spätestens mit einer vom Institut für Demoskopie und Datenanalyse für die „Krone“ durchgeführten Umfrage war klar: 79 Prozent der Österreicher fordern einen verpflichtenden Nachweis und die Politik muss rasch handeln.
Just am heißesten Wochenende des Jahres sprach Kanzler Christian Stocker Klartext mit den Vertretern der Wirtschaft. In hitzigen Debatten mit Wirtschaftskammer-Chefin Martha Schulz und Bauernbund-Präsident Georg Strasser sollte die weitere Vorgehensweise besprochen werden. „Die Panier wird leider nur langsam goldbraun“, vermeldete ein Polit-Insider Freitagvormittag der „Krone“.
Wenig später stand aber fest, es bewegt sich wenigstens ein bissl was! ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti spricht nun von einem „nächsten Schritt zu mehr Transparenz“ und betont die Bedeutung der heimischen Landwirtschaft für Versorgungssicherheit, Qualität und Nachhaltigkeit.
Auch Wirtschaftsbund-Generalsekretärin Tanja Graf setzt auf wohlklingende Begriffe wie „praxisnah“, „unbürokratisch“ und „freiwillig“. Genau diese Freiwilligkeit ist es aber, die Kritiker seit Jahren bemängeln. Denn ohne klare gesetzliche Verpflichtung bleibt die Herkunftskennzeichnung oft Stückwerk – abhängig vom guten Willen einzelner Betriebe statt einheitlicher Standard für alle.
Stufenplan für Kennzeichnung von Fleisch, Milch und Eiern
Und dann ist da noch Bauernbund-Präsident Georg Strasser, der den Hauptpunkt – einen Stufenplan ankündigt. Schrittweise soll ein System eingeführt werden, das Fleisch, Milch und Eier nach dem Modell „AT, EU oder Non-EU“ auch in der Gastronomie kennzeichnet. Klingt nach einem wichtigen Fortschritt – doch auch hier bleibt ein schaler Nachgeschmack: Warum braucht es erst einen mehrstufigen Plan, wenn der politische und gesellschaftliche Wille längst klar ist?
Am Ende bleibt die Erkenntnis: Bewegung ist da, ja. Aber sie kommt spät. Und ob aus den großen Ankündigungen tatsächlich ein verbindliches, flächendeckendes System wird, das diesen Namen verdient, muss sich erst zeigen. Bis dahin gilt: viel Versprechen, wenig Verbindlichkeit – ein Muster, das man in Österreich nur allzu gut kennt.