Kultur

Hohe Luft und weiter Geist beim Philosophicum Lech

Hohe Luft und weiter Geist beim Philosophicum Lech

Das 29. Philosophicum Lech beschäftigte sich unter dem Motto „Betreutes Denken“ mit den gesellschaftlichen Folgen der Digitalisierung.

Dass es Herbst wird, merkt man in Lech nicht nur an den bunten Blättern der Bäume und den angezuckerten Bergspitzen. Zwischen Wanderern und Skifahrern kommen in dieser Zeit seit 1997 die Nachdenker in das schmucke Dorf am Arlberg. Längst nicht mehr nur mit schwarzem Rollkragenpullover und grübelndem Blick.

Das Philosophicum Lech richtet sich nicht an ein akademisches Publikum, es lädt Menschen aus allen Bereichen ein, über drängende Fragen der Gegenwart nachzudenken – aus unterschiedlichen Perspektiven. Neben Geisteswissenschaftern waren etwa bereits eine Astronautin und eine Extrembergsteigerin zu Gast.

 Von einer kleinen Gruppe an knapp 100 Interessierten, ist die (schnell ausgebuchte) Nachdenkwerkstatt auf etwa 600 Besucher gewachsen, aus den vier Tagen knapp eine Woche geworden, die nach Stationen in Kirche und Postbusgarage in den neu errichteten „Lechwelten“ ihr Zuhause hat.

Opfer und Geister
Auch dieser Tage wurde im Bergdorf auf 1400 Metern wieder intensiv nachgedacht. Unter dem Motto „Betreutes Denken. Über die neue Lust an der Unmündigkeit“ drehte sich alles um die gesellschaftlichen Auswirkungen des technischen Fortschrittes. Der deutsche Philosoph Richard David Precht analysierte u. a. die Mechanismen hinter der Krise der liberalen Demokratien. Maria-Sibylla Lotter, heuer mit dem Tractatus-Essaypreis in Lech ausgezeichnet, sprach über neue Rollenbilder von Opfern und Helden. Zum Abschluss machte sich Rüdiger Safranski Gedanken über „Entgeisterung“ durch künstliche Intelligenz.

Was das Philosophicum jenseits der Vorträge auszeichnet, ist das Nachklingen all der dort erörterten Gedanken – sei es in den lebhaften Diskussionen in der abendlichen Philosophen-Bar oder bei einer kleinen Wanderung in der großzügigen Mittagspause. Die hohe Luft, der weite Blick und die erhabene Bergkulisse erweisen sich dabei als ein besonders fruchtbarer Nährboden zum angeregten Weiterdenken.

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