Houthi-Offensive bedroht wieder den Seehandel
Das Bab al-Mandab im Roten Meer wird oft als Ausweichroute genutzt, seit die Straße von Hormuz weitgehend gesperrt ist. Nun könnten Angriffe der Houthi-Miliz im Jemen aber die internationalen Lieferketten stören. Die Gruppe kontrolliert inzwischen die gesamte Westküste des Landes.
Dazu gehört auch der zentrale Schiffahrtsweg an der Südspitze der Arabischen Halbinsel. In normalen Zeiten passieren etwa zehn Prozent des weltweiten Seehandels und 30 Prozent des weltweiten Containerverkehrs die auch als „Tor der Tränen“ bezeichnete Meerenge. Aktuell versucht Saudi-Arabien, einen Teil seiner Ölexporte nach Asien über das Rote Meer umzuleiten. Auch Österreich und Deutschland sind von der Route abhängig. Laut einer Ifo-Studie passierte 2023 ungefähr ein Zehntel der deutschen Importe das Rote Meer.
Noch ist das Bab al-Mandab nicht blockiert. Die Houthi, die von der iranischen Führung unterstützt werden, liegen derzeit vor allem mit Saudi-Arabien im Konflikt. Sie kündigten daher auch eine Blockade für saudische Schiffe an und griffen gezielt diese an oder zwangen sie alternativ zu Kursänderungen. Laut Daten des Analyseunternehmens Kpler kam es daraufhin zu einem Rückgang der Schiffspassagen durch die Meerenge. Am Donnerstag wurden 33 Schiffe gezählt.
Umweg über Südafrika deutlich teurer
Houthi-Vertreter haben laut saudischen Diplomatenkreisen zugesichert, rund um die Meerenge im Roten Meer und dem Golf von Aden keine Schiffe der USA und Israels anzugreifen. Schiffe zwischen Asien und Europa können Afrika grundsätzlich südlich über das Kap der Guten Hoffnung umfahren. Allerdings ist diese Route deutlich länger und teurer. Der Datenanbieter Windward bezifferte die zusätzlichen Kosten im Juli auf etwa zwei Millionen US-Dollar pro Fahrt.
Bereits Ende 2023 kam der Seeverkehr durch Drohungen und Beschuss der Houthi-Miliz im Roten Meer unter Druck. Damals wurden Lieferketten gestört, Automobilhersteller in Europa drosselten ihre Produktion teilweise, weil sich die Lieferung von Bauteilen verzögerte. Einen nachhaltigen Effekt auf Preise für Konsumentinnen und Konsumenten konnten Studien durch die Störung aber nicht nachweisen.
Die Houthi gehen im Bürgerkriegsland Jemen vor allem gegen den pro-amerikanischen Kurs der Regierung vor. Sie sind sowohl mit der iranischen Führung als auch mit der Hisbollah im Libanon, der Hamas im Gazastreifen und bewaffneten Milizen im Irak und in Syrien verbunden. Im Nahost-Krieg haben die Houthi Raketen Richtung Israel abgefeuert.