Houthis holen sich nun Unterstützung aus Somalia
Während die jemenitische Regierung mithilfe Saudi-Arabiens eine großangelegte Offensive zur Rückeroberung aller von der schiitischen Houthi-Miliz kontrollierten Gebiete an der Rotmeerküste begonnen hat, baut sich die nächste Bedrohung für die Region – vor allem für die Handelsschifffahrt – auf. Mithilfe der somalischen Al-Shabaab-Miliz wollen die Houthis nämlich offenbar das Rote Meer von zwei Seiten abriegeln.
Die jemenitischen Houthi-Rebellen, die vom Iran unterstützt werden, und die somalische Terrororganisation Al-Shabaab rücken immer näher zusammen. Ihr möglicher strategischer Vorteil: Sie könnten den Schiffsverkehr im Roten Meer und im Golf von Aden von beiden Seiten unter Druck setzen. Durch die Meerenge Bab al-Mandab läuft rund ein Zehntel des weltweiten Handels. Ein Sprecher des US-Afrika-Kommandos AFRICOM warnte unlängst gegenüber der „Financial Times“ vor einer „höchst besorgniserregenden, eskalierenden Bedrohung für die regionale Stabilität“. Die Verbindung könne al-Shabaab im Osten Afrikas schlagkräftiger machen und den Houthis zugleich mehr Möglichkeiten verschaffen, wichtige Seewege im Roten Meer und im westlichen Indischen Ozean zu stören.
1500 somalische Kämpfer trainieren mit den Houthis
Laut Sicherheitsexperten geht die Zusammenarbeit längst über Waffenschmuggel hinaus. Die jemenitischen Rebellen sollen Hunderte Al-Shabaab-Kämpfer im Umgang mit Drohnen, Sprengsätzen und militärischen Taktiken geschult haben. Der frühere US-Sondergesandte für Jemen, Tim Lenderking, bringt die strategische Gefahr auf den Punkt: Die Houthis wollten die wichtige Meerenge „von beiden Seiten“ unter Druck setzen können. Bis zu 1500 somalische Kämpfer verschiedener Gruppierungen sollen nach Einschätzung des Somalia-Experten Matt Bryden bereits mit den Houthis im Jemen trainiert haben.
Al-Shabaab soll zudem versucht haben, an modernere Waffen, darunter iranische Raketen, zu gelangen. Sollte die Terrororganisation künftig auch leistungsfähigere Raketen oder unbemannte Angriffsboote einsetzen können, könnte sich die Gefahr auf weitere Teile des Indischen Ozeans ausdehnen.
Aus Waffengeschäften wird operative Partnerschaft
Die neue Verbindung verschärft die ohnehin explosive Lage in der Region. Al-Shabaab kontrolliert rund 40 Prozent Somalias und kämpft seit Jahren gegen die Regierung in Mogadischu. Gleichzeitig verschärfen Konflikte um Israel, Somaliland und mögliche Militärstützpunkte am Golf von Aden die Spannungen. Der Somalia-Experte Guled Ahmed warnt, die Beziehung entwickle sich von einem Geschäft mit geschmuggelten Waffen zu einer operativen Partnerschaft mit Drohnen, Waffen und technischem Know-how.
Noch ist offen, wie schlagkräftig die Allianz tatsächlich wird. Doch sollte al-Shabaab durch die Houthis dauerhaft militärisch aufgerüstet werden, droht ein zusätzliches Sicherheitsproblem an einem entscheidenden Nadelöhr des Welthandels. Angriffe auf Schiffe könnten Lieferketten empfindlich stören und Transport- sowie Energiekosten weiter in die Höhe treiben.
Syrien könnte ebenfalls in Kämpfe eingreifen
Apropos weitere Eskalation: Syrien erwägt offenbar ebenfalls die Entsendung militärischer Einheiten zur Unterstützung saudi-arabischer Truppen. Saudi-Arabien pocht nach den Angriffen auf mehrere Flughäfen auf Hilfe seiner Verbündeten. Bereits zuvor haben die Türkei und Pakistan die Entsendung von Truppen zur Unterstützung des Königreichs bekannt gegeben.