Am Donnerstag wählt der ORF-Stiftungsrat einen neuen Generaldirektor. Als Favorit gilt der ehemalige APA-Chef Clemens Pig, auch Medienmanager Markus Breitenecker werden gute Chancen eingeräumt. Doch könnte am Ende Johannes Larcher der lachende Dritte sein und das Rennen für sich entscheiden? Die „Krone“ hat den internationalen Medienmanager zum Interview getroffen.
„Krone“: Der ORF steckt derzeit in mehreren Krisen – von einer Vertrauenskrise bis hin zur Finanzierungskrise. Wie konnte es aus Ihrer Sicht so weit kommen? Wo sehen Sie die Verantwortung?
Johannes Larcher: Die Vertrauenskrise ist das Resultat vieler Faktoren. Einige davon sind systemisch und liegen außerhalb der Kontrolle des ORF. Es gibt grundsätzlich einen Vertrauensverlust in Institutionen und staatsnahe Organisationen, der durch die starke Präsenz sozialer Medien noch beschleunigt wurde. Ich glaube aber auch, dass die Vertrauenskrise hausgemachte Gründe hat. Die ungeschickt und schlecht kommunizierte Einführung der Haushaltsabgabe, die Vorgänge rund um Machtmissbrauch, Sonderverträge und die Gehaltspyramide im ORF. Da ist viel schiefgelaufen – auch kulturell. Es hat sich eine Unternehmenskultur entwickelt, in der solche Dinge möglich waren und teilweise auch unter den Teppich gekehrt wurden.