IT-Chaos: Neuer Eltern-Kind-Pass wieder verschoben
Ein neuer Rückschlag bei der Modernisierung des Gesundheitssystems: Die für Oktober geplante Einführung des elektronischen Eltern-Kind-Passes (vormals Mutter-Kind-Pass) wird um ein ganzes Jahr verschoben. Es ist bereits die zweite Verzögerung und ein weiteres Beispiel für das zentrale Föderalismusproblem im System.
Grund für die Verzögerung sind technische Schwierigkeiten bei der Synchronisierung der IT-Systeme der Länder und des Bundes. Die Verschiebung wird diese Woche im Parlament beschlossen. Die Ärztekammer zeigt sich von dieser völlig unerwarteten Verzögerung überrascht.
Ärztekammer ist überrascht
In einem Schreiben, das der „Krone“ vorliegt, heißt es: „Die Vorgehensweise ist aus unserer Sicht mehr als überraschend.“ Der elektronische EKP sei ein „richtiger und wichtiger“ Schritt, dem „lange und zähe Verhandlungen“ vorausgegangen seien. Nun soll es im Übergangsjahr einen Feldversuch in Kärnten geben.
Die Umsetzung des elektronischen Eltern-Kind-Passes wurde schon einmal verschoben, ursprünglich war sie für Anfang 2026 geplant. Als Grund dafür wurde schon im Dezember 2025 die „Komplexität des Projekts“ genannt.
Die – anonyme – Abstimmung läuft bis zum Donnerstag, 9. Juli. Haben Sie alle Noten vergeben, können Sie laufend mit den Durchschnittsbewertungen der „Krone“-User vergleichen. Am Freitag, dem letzten Schultag, „verteilt“ die „Krone“ dann das Endergebnis an die Politik.
Schwangerschaften und Geburten werden künftig nur mehr digital erfasst
Grundsätzlich soll der Eltern-Kind-Pass (EKP), der bis Ende 2023 als Mutter-Kind-Pass bezeichnet wurde, die Früherkennung von gesundheitlichen und psychosozialen Risikofaktoren von Müttern und deren Kindern ermöglichen. Mit der Digitalisierung werden Schwangerschaften künftig ausschließlich in elektronischer Form dokumentiert. Außerdem sollen erstmals ab 1. März 2027 die Daten zu den Kindern, die ab diesem Tag geboren werden, elektronisch gespeichert werden.
Die Wiener Kurienobfrau Naghme Kamaleyan-Schmied begrüßt die geplante Digitalisierung. „Die Umsetzung war aber leider nicht ausreichend vorbereitet. Es gab viele ungeklärte Fragen, unter anderem zur Koppelung mit der ID-Austria sowie der Finanzierung der Module in den Ordinationen.“ Es fehlen zudem Schnittstellen in den Krankenhäusern, die Bürokratie sei überbordend, es seien Doppeldokumentationen statt Vereinfachung und Entbürokratisierung geplant. „Ein vorprogrammiertes Chaos, das Schwangere, Ärztinnen und Ärzte belastet hätte.“