„Jetzt freuen sie sich über eine Leiche im Garten“
Flammen bringen Geheimnisse ans Licht: In Eva Reichls neuem Krimi „Mühlviertler Feuer“ erschüttert eine Serie von Brandanschlägen den Norden von Oberösterreich. Seit 2018 inszeniert Reichl das Verbrechen in einer Region, in der sie selbst zu Hause ist. Im Gespräch mit der „Krone“ verrät sie, warum ihre Krimis von hier gar nicht mehr wegkommen.
Die oberösterreichische Autorin Eva Reichl lebt im Mühlviertel und ist für ihre regionalen Kriminalromane bekannt.
Mit Chefinspektor Oskar Stern und den Thrillern rund um Diana Heller verwandelt sie ihre Heimat in einen Schauplatz für Verbrechen, Rache, Leidenschaften. Ihr Motto: „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Böse so nah liegt?“, sagt sie im „Krone“-Talk.
Mit „Mühlviertler Feuer“, erschienen im Gmeiner Verlag, legt sie den neunten Fall für Chefinspektor Oskar Stern vor.
„Krone“: Warum spielt „Mühlviertler Feuer“ in Rohrbach-Berg?
Eva Reichl: Ein Herr aus Rohrbach-Berg hat mir ein E-Mail geschrieben, dass es an der Zeit sei, dass endlich ein Oskar Stern-Krimi in Rohrbach-Berg spiele. Er hat das so charmant formuliert, ich bin gleich hingefahren.
Was haben Sie mit den Augen einer Krimiautorin entdeckt?
Die Tradition des „Totenrufens“ hat mich gleich fasziniert. Dieser Brauch ist in Österreich einzigartig und reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Wenn in der Pfarre Rohrbach jemand stirbt, läutet zuerst die Totenglocke und dann steigt der Mesner auf den Kirchturm und ruft vom Turmgang den Namen des bzw. der Verstorbenen in alle vier Himmelsrichtungen. Auch, wenn es dieser Brauch nicht in meinen Krimi geschafft hat, weil es von der Geschichte her nicht gepasst hat, war ich dennoch so beeindruckt, dass für mich klar war: der neunte Fall für Chefinspektor Oskar Stern spielt in Rohrbach-Berg.
Dieses Mal geht es ums Feuer. Warum ausgerechnet Feuer?
Wenn etwas vom Feuer verschlungen wird, dann ist es weg – vernichtet. Es kann nicht wieder hergestellt werden. Und das Motiv wollte ich in diesem Krimi verwenden.
Mit den Waldbränden im Sommer 2026 hat das ja eine neue Dimension bekommen...
Ich habe „Mühlviertler Feuer“ vor eineinhalb Jahren geschrieben. Damals wusste ich noch nicht, dass ein Sommer wie der heurige vor der Tür steht, in dem es – gefühlt - jeden Tag irgendwo gebrannt hat in Österreich, ausgelöst durch die Trockenheit und die Hitze.
Sie lassen seit neuen Jahren Krimis im Mühlviertel spielen. Was hat sich verändert?
Anfangs habe ich überlegt, wo ich meine Krimis spielen lassen könnte. Wenn es sich um private Schauplätzte gehandelt hat, habe ich die Eigentümer um Erlaubnis gebeten. Das war oftmals gar nicht so einfach, ich habe auch einige Absagen erhalten.
Und jetzt?
Jetzt freuen sich die Leute, wenn ich mit meinem Anliegen, eine Leiche bei ihnen zu platzieren, daherkomme. Einige bieten sich sogar selber als Opfer oder Täter an – sehr lustig! Oder Bürgermeister treten an mich heran, ob ich nicht Interesse hätte, einen Krimi in ihrem wunderschönen Ort spielen zu lassen. So sind die Mühlviertlerinnen und Mühlviertler: Mit vollem Herzen bei der Sache dabei!
Sie haben sicher ein nächstes Buch in der Pipeline?
Im März 2027 erscheint „Vier Leichen zur Linzer Torte“, ein Krimi in meiner Serie mit Chefinspektorin Lotta Meinich und ihrem Vater Gustav, ein mittlerweile pensionierter Chefinspektor. Die spielt in ganz Oberösterreich.
Was betrachten Sie als Ihren größten Erfolg?
Meine jüngsten drei Krimis haben es auf die heimische Bestsellerliste vom Hauptverband des Österreichischen Buchhandels geschafft. Ich bin nun in der glücklichen Lage, meinen derzeitigen Brotberuf als Controllerin an den berühmten Nagel zu hängen und mich ab nun an voll und ganz aufs Schreiben zu konzentrieren. Dafür gebührt meinen Leserinnen und Lesern ein ganz großes Dankeschön!