Kultur

Jubiläen und Jubilare in Gugging

Jubiläen und Jubilare in Gugging

Das Museum Gugging feiert seinen 20. Geburtstag mit einer vielfältigen  Sonderausstellung und einem großen Fest am 20. Juni. 

Es war ein feuriger Auftakt ins Jubiläumsjahr, auf den die Gugginger wohl lieber verzichtet hätten: Vor einigen Wochen stand das Museum in Flammen. „Zum Glück waren nur die Fassade und der Dachboden betroffen. Niemand wurde verletzt, und auch keine Kunstwerke wurden zerstört“, ist Direktorin Nina Ansperger noch immer sichtlich erleichtert über den glimpflichen Ausgang. Ein guter Grund zu feiern also – einer mehr in diesem ereignisreichen Geburtstagsjahr: Das Museum Gugging begeht sein 20. Jubiläum, die benachbarte Wohn- und Wirkungsstätte „Haus der Künstler“ sogar bereits ihr 40.

Auch zwei der bekanntesten Künstler gehören zu den Jubilaren: August Walla wäre heuer 90 geworden, Johann Hauser 100. Beide gelten als Pioniere und Legenden des Art Brut Center Gugging.

Der Grundstein für die Künstlerbewegung wurde bereits in den 1950er-Jahren gelegt, als der Psychiater Leo Navratil das künstlerische Potenzial seiner Patienten erkannte, förderte und das „Zentrum für Kunst-Psychotherapie“ gründete. Sein Nachfolger Johann Feilacher machte daraus das „Haus der Künstler“ – nicht mehr die Patientengeschichte sollte im Fokus stehen, sondern die pure Kunst, die Art brut, für sich allein.

Keine Kunst von Außenseitern
„Die Bezeichnungen Art brut oder auch Outsider-Art stehen allerdings stark im Diskurs“, so Ansperger. „Sie werden oft fälschlicherweise als Kunst von Außenseitern, von Menschen außerhalb der Gesellschaft, rezipiert. Das empfinden viele hier als stigmatisierend. Sie möchten ausstellen, präsent sein – und nicht als Sonderlinge abgestempelt werden.“

Und genau darum geht es seit 20 Jahren im Museum und in der Galerie Gugging: Diesen Künstlern den ihnen gebührenden Raum zu geben und ihre Werke in die Welt hinauszutragen.

In der Jubiläumsausstellung „20 Jahre Kunst“ werden nun Arbeiten von 20 Gugginger Künstlern gezeigt. Darunter natürlich die Jubilare Walla und Hauser, denen jeweils ein eigener Raum gewidmet ist. Aber auch jüngere Künstler wie Leopold Strobl oder Jürgen Tauscher treten in einen Dialog mit der ersten Generation.

Die Medizinverbrechen der Nationalsozialitsen 
Die Schau widmet sich außerdem schwierigen Themen, etwa den Medizinverbrechen der Nationalsozialisten, denn auch Gugginger Künstler waren davon betroffen. Josef Bacher war im KZ Dachau interniert. „Und August Walla kam als Kind auf den Spiegelgrund, wurde dort aber interessanterweise für gesund erklärt und entlassen.“

Auf ein inklusives Museumserlebnis wurde ebenso großer Wert gelegt wie auf Medienstationen, an denen unter anderem die Künstler selbst zu Wort kommen.

Am 20. Juni wird dann bei der „geburtstagspARTy“ groß gefeiert. „Nach dem offiziellen Festakt gibt es Führungen, Lesungen, Mitmachstationen, das Atelier ist für alle geöffnet, wir haben Musik und einen eigenen Kinderbereich“, so Ansperger.

Los geht es ab 11 Uhr. Nähere Informationen über das Fest und die Ausstellung finden Sie hier

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