Politik

Kanzler empört mit Sager über Kinderbetreuung

Kanzler empört mit Sager über Kinderbetreuung

Ausgerechnet drei Tage vor dem Equal Pension Day erklärte Österreichs Bundeskanzler Christian Stocker, dass die Betreuung von Kindern für ihn keine Arbeit sei. Grünen-Chefin Leonore Gewessler konterte prompt mit Kritik – im Kanzleramt ist man um Schadensbegrenzung bemüht.  

Österreichs Bundeskanzler Christian Stocker sucht die Nähe zu den Bürgern. Am Donnerstag fand er sie beim Halt seiner Sommertour in Salzburg. Am Nachmittag stellte er sich dort den Fragen des ausgewählten Publikums. Eine von Stockers Antworten sorgt nun für helle Aufregung.

Drei Tage vor dem Equal Pension Day, also jenem Tag an dem Männer bereits so viel Pension bezogen haben, wie Frauen bis zum Jahresende, erklärte der Bundeskanzler, dass Kinderbetreuung keine Arbeit sei. Das Timing könnte kaum schlechter sein. Die Lücke liegt bei 39,4 Prozent, im Schnitt also bei über 1000 Euro im Monat. Ihr Hauptgrund: die ungleiche Verteilung genau jener unbezahlten Sorgearbeit, die der Kanzler nicht als Arbeit sehen will.

So kam es zum Sager
Eine Teilnehmerin fragte nach mehr finanzieller Unterstützung für Mütter. Sie rechnete vor: Rund 96 Stunden unbezahlte Kinderbetreuung leisten Frauen in Österreich pro Woche. Stockers Antwort ließ den Saal aufhorchen – und selbst Moderatorin Arabella Kiesbauer kurz sprachlos zurück.  „Ich würde Kinderbetreuung nicht als Arbeit sehen, sage ich Ihnen ganz ehrlich“, so Stocker. Aber man müsse ja nicht einer Meinung sein. „Familie ist nicht in bezahlter Arbeit zu rechnen. Wenn wir Familien als ‘Business Case‘ sehen, wenn wir Familien als Rechenbeispiel begreifen, dann ist das ein anderes Familienbild als das, das ich habe“, so der Kanzler weiter. Familie bedeute, etwas füreinander zu tun, ohne etwas dafür zu bekommen. „Ich habe meine Kinder nicht erzogen als Rechenbeispiel.“ 

Die Grünen schlugen noch am selben Abend zurück. Klubobfrau Leonore Gewessler schrieb auf Bluesky (siehe Beitrag oben): „Herr Bundeskanzler, Mamas lieben. Mamas arbeiten. Mamas kümmern. Mamas arbeiten. Mamas stemmen Unglaubliches. Mamas arbeiten. Mamas halten dieses Land am Laufen. Mamas arbeiten. Unbezahlt. Sie verdienen keine Verhöhnung. Sondern eine Entschuldigung.“

Kanzleramt rudert zurück
Das Kanzleramt bemühte sich um Schadensbegrenzung. Stocker habe nicht infrage stellen wollen, dass Kinderbetreuung „extrem viel Arbeit“ sei. Gerade Frauen leisteten Großartiges. Er habe nur sagen wollen, dass Kinder kein „Rechenbeispiel“ seien.

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