34 Grad in der Grazer Innenstadt – das Wahl-Finale wurde am Donnerstag zum ultimativen Härtetest für die Parteien und deren Fans. Die „Krone“ war bei den Abschlussveranstaltungen von NEOS, FPÖ und Grünen dabei.
Der Countdown läuft: Der Grazer Wahlkampf, der ohne große Aufreger eher gemächlich vor sich hin plätscherte, geht ins Finale. Trotz Hitze versammeln die Parteien noch einmal ihre Anhänger im öffentlichen Raum, um die letzten Botschaften zu platzieren und gute Stimmung für den Sonntag zu machen. Oder wie es die Parteistrategen lässig formulieren: um „good vibes“ zu verbreiten.
Den Anfang machten am Nachmittag die NEOS mit ihrem Spitzenkandidaten Philipp Pointner, Steiermark-Parteichef Niko Swatek und dem Wiener Klubobmann Yannick Shetty, die – passend zur Parteifarbe – zur Abschlussveranstaltung vor das Lokal „Pink Elephant“ luden. Pointner wiederholte seine in der „Krone“ erhobene Forderung nach einem Deutsch-Test für Dreijährige und prognostizierte: „Bis 2030 wird jedes Kind bis zum Eintritt in die Volksschule Deutsch sprechen können.“ Außerdem geißelte er überbordende Ausgaben für den Grazer Politikbetrieb: „Runter mit den Klubfördermitteln!“
Shetty wiederum drängte auf eine Beteiligung der NEOS an der künftigen Stadtregierung – nach Wiener Vorbild: „Denn ohne uns in der Bundesregierung würden viele Grauslichkeiten passieren.“ Graz habe viele Probleme, die Stadt ersticke im Stau und an den Schulden. Und in Richtung Philipp Pointner: „Ich will, dass du den Grazer Parteien auf den Zeiger gehst!“
„72 Stunden“ wollen die Liberalen noch unterwegs sein – allen voran Niko Swatek, der Freitag und Samstag an viele Türen klopfen wird. Oft mit Aha-Effekt, wie er der „Krone“ verriet: „Es ist so heiß, dass uns viele in Badebekleidung oder Unterwäsche öffnen. Das ist kurios, aber völlig verständlich. Dennoch sind die Gespräche nicht kurz, viele nehmen sich Zeit zum Diskutieren.“
Grüne auf dem Kaiser-Josef-Platz
Gut 400 Meter Luftlinie entfernt, auf dem Kaiser-Josef-Platz, mobilisierten die Grünen ihre Anhängerschaft. Vizebürgermeisterin Judith Schwentner bekam Unterstützung von Alma Zadić, Nationalratsabgeordnete und ehemalige Justizministerin. Die Hitzewelle – am Abend hatte es noch34 Grad in Graz – untermauerte die Hauptbotschaft der Ökos: Schluss mit der Bodenversiegelung! Judith Schwentner: „Wir sagen es seit Jahren: Wir brauchen mehr Bäume, wir brauchen mehr Grünraum, denn die Hitze ist gekommen, um zu bleiben. Wir haben heute die Temperatur in der begrünten Kaiserfeldgasse und auf dem asphaltierten Jakominiplatz gemessen: In der Gasse hatte es 25 Grad, auf dem ,Jako‘ 55 Grad.“ Für die Fans gab‘s Popcorn und kühle Getränke. Schattenplätze waren Mangelware.
Kickl: „Brunzbecken-Babler“ und „Beate Meinl-Selenskyj“
„Hier bin ich, der Staatsfeind Nummer 1 der Systemparteien!“ – Etwa 300 Fans lotste am Abend dann die FPÖ auf den Grazer Hauptplatz. Als Einpeitscher fungierte Bundeschef Herbert Kickl, der aus Wien angereist war – oder wie er es formulierte: „Aus dem Epizentrum der politischen Blödheit.“
Das meiste Fett bekam die Bundesregierung ab, die der FPÖ-Chef praktisch durch Sonn‘ und Mond haute. Kanzler Christian Stocker gehe auf Steuerzahlerkosten in den USA Fußballschauen und residiere dort in einem Luxushotel, Andreas Babler („Brunzbecken-Babler“, Zitat Kickl) schaue sich Urinspielereien in Venedig an und Beate Meinl-Reisinger („Beate Meinl-Selenskyj“, Zitat Kickl) verteile Millionen an die „korrupten Ukrainer“.
KPÖ-Bürgermeisterin Elke Kahr erwähnte der selbst ernannte „Volkskanzler in spe“ in seiner Rede überraschenderweise nicht – die ÖVP dafür umso öfter. Diese sei eine „Partei der Scheinheiligkeit“, die alles andere als christlich sei und stattdessen „den Islamisten den Gebetsteppich“ ausrolle. Das V in „Volkspartei“ stehe für „Verlierer, Versager, Verräter“, so die harsche Kritik.
Landeshauptmann Mario Kunasek wiederum sprach von einer „Schicksalswahl“ und stärkte Spitzenkandidat René Apfelknab den Rücken: „Es geht um die Frage, ob der bisherige ideologiegetriebene Kurs fortgesetzt wird oder ob es einen Kurswechsel hin zu einer freiheitlichen Politik mit Hausverstand gibt.“ Die gegenwärtige Politik schade der Stadt, der Wirtschaft und den Familien.
Kahr schließt Koalition mit ÖVP aus
Am Freitag beenden ÖVP und KPÖ offiziell ihren Wahlkampf. Zwei Parteien, die in den vergangenen Monaten noch mehr getrennt als geeint hat. Von „Geheimgesprächen“ will man ja nichts wissen, überhaupt ist eine künftige Zusammenarbeit höchst unwahrscheinlich. So deutlich wie nie schloss Elke Kahr gestern eine dunkelrot-schwarze Koalition aus. Dafür sei die ÖVP zu „überheblich“, meinte sie.