Kultur

Künstlerin schwebt in Euterballon über Bodensee

Künstlerin schwebt in Euterballon über Bodensee

Die Vorarlberger Künstlerin Barbara Anna Husar lässt ihren spektakulären Ballon wieder steigen und sticht mit einem goldenen Schiff in See – in Richtung Nordstern.

Die, die ihn schon einmal gesehen haben, vergessen den Anblick nicht so schnell. Ein in Magenta gehaltener Heißluftballon, in Form eines riesigen Kuheuters. Der Ballon, vor Jahren geschaffen von Barbara Husar, stieg schon mehrfach in die Lüfte – in Vorarlberg, aber auch andernorts. Er schwebte über dem Stephansdom in Wien, über dem Bahnhof Zoo in Berlin und er überquerte die Alpen. Nun soll es wieder so weit sein.

Im Rahmen einer nautischen Inszenierung mit dem Titel „Cargo & Interface“ wird sich am 25. Juni der Euterballon über den Bodensee bewegen. Die Kunstaktion besteht aus gleich mehreren Komponenten: So wird auch ein vergoldeter Kieskutter am See unterwegs sein. Geladen hat dieser einen meterhohen Sextanten.

Zudem werden sich drei Passagierschiffe aus den drei Ländern Österreich, Deutschland und der Schweiz langsam auf den Kutter zubewegen. Ziel ist es, den Euterballon unter jenem Punkt erfahrbar zu machen, der der Menschheit schon seit Urzeiten als Orientierungshilfe dient: der Nordstern.

Alles ist vom Wetter abhängig
Husar geht mit der Aktion ein Wagnis ein, denn sie ist vom Wetter abhängig und entzieht sich damit der menschlichen Einflusssphäre. Für die Künstlerin wird die Unsicherheit zu künstlerischem Material, wie sie erklärt: „Mit der Unvorhersehbarkeit des Wetters muss man arbeiten.“ Nordstern und Sextant haben für die Vorarlbergerin eine besondere Bedeutung, anziehend ist für sie die Unabhängigkeit von jeglicher Art der Digitalisierung. Der Sextant, von Husar selbst gebaut, wird am goldenen Kutter die Richtung vorgeben, in der sich Ballon und Schiffe schließlich gemeinsam bewegen werden.

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor betrifft eine musikalische Komponente: Auf den Schiffen werden Musiker platziert, die sich über Töne – getragen allein vom Wind – verständigen und abstimmen sollen. Auch eine Neuinterpretation des traditionellen Alpsegens ist im Rahmen der Sternfahrt geplant. Ebenfalls mit an Bord: Künstler Paul Renner, der sich bei dieser Gelegenheit vor allem seiner Kochkunst widmen wird. „Es ist alles durchdacht und geplant, aber ob es sich dann umsetzen lässt, ist eine andere Frage“, sagt Husar, die bei all dem Nervenkitzel ganz gelassen wirkt.

Von Mütterlichkeit bis Ausbeutung
„In Zeiten Künstlicher Intelligenz gewinnen reale Bezugspunkte neue Bedeutung. Eine der ältesten Navigationsausrichtungen wird in einem trinationalen Begegnungsmoment neu aktiviert. Die Sternfahrt folgt keinem digitalen System, sondern dem Nordstern“, erklärt Husar. Die Künstlerin lebte sieben Jahre in der Wüste von Sinai – mit einer Ziegenherde. Über die neugierigen Vierbeiner kam sie auf die Idee des Euterballons, „eine soziale Skulptur in Zeiten des Wertewandels“, wie sie sagt.

Im Rahmen des Kunst- und Kulturfestivals „Walser Herbst“ stieg der Ballon zum ersten Mal auf – damals, um die Verbindung zwischen Mensch und Rind sichtbar zu machen. Der Ballon berührt aber noch andere Bedeutungsebenen, er steht etwa für Nährendes und Mütterlichkeit ebenso wie für die Ausbeutung natürlicher Ressourcen.

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