Kriegschroniken

Krawalle vor ukrainischem Militärgefängnis

Krawalle vor ukrainischem Militärgefängnis

Nach Foltervorwürfen gegen die ukrainische Nationalgarde ist es am Montag in einem Vorort von Kiew zu schweren Ausschreitungen gekommen. Ein wütender Mob versuchte, ein provisorisches Militärgefängnis zu stürmen und einzelne Häftlinge zu befreien. In den sozialen Medien verbreiteten sich unterdessen verstörende Bilder von mutmaßlich in dem Gebäude festgehaltenen Männern, die schwere Misshandlungsspuren aufwiesen.

Auslöser des Aufruhrs war nach Medienberichten ein nicht überprüfbares Video eines Inhaftierten, der über Bauchschmerzen klagte und deutliche Spuren von Prügel zeigte. Verwandte forderten seine Freilassung, was Internetvideos zufolge zu einer Menschenansammlung führte. Vier Männer, darunter ein Schwerverletzter, wurden auf den Druck der Menschenmenge in ein Krankenhaus gebracht. Mehr als ein Dutzend weitere Gefängnisinsassen wurden an einen anderen Ort verlegt (siehe X-Posting unten).

Verletzungen bestätigt
Nach Angaben des Kommandanten der Nationalgarde, Olexander Piwnenko, dient das Haus im Kiewer Vorort Petropawliwska Borschtschahiwka als provisorische Kaserne. Dort würden die Dokumente eingezogener Soldaten und Fahnenflüchtiger überprüft, um sie anschließend auf ein Übungsgelände zu schicken. Dass es Verletzte gegeben habe, wurde allerdings auch von offizieller Stelle bestätigt. Die ukrainische Justiz geht nun dem Verdacht der Misshandlung festgenommener Deserteure nach. Ermittelt werde, ob Militärangehörige ihre Befugnisse überschritten haben, teilte das Nationale Ermittlungsbüro in Kiew mit. 

Die Zwangsrekrutierung von Männern auf der Straße ist in der ukrainischen Bevölkerung extrem unbeliebt. Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Reformen angekündigt, an der Praxis hat sich aber wenig geändert. Seit dem russischen Einmarsch vom Februar 2022 gilt in der Ukraine das Kriegsrecht, eine Mobilmachung wurde angeordnet.

Gezielte Provokation „von außen“?
Im aktuellen Fall wird auch von einer möglichen gezielten Provokation „von außen“ gesprochen. Der Leiter des Präsidialamtes der Ukraine, Kyrylo Budanow, erklärte, dass eine Frau, die sich als Ärztin ausgegeben hatte und mit einem „gekauften“ Rettungswagen am Ort des Geschehens erschienen war, festgenommen worden sei. Nach Angaben des SBU soll sie an der Vorbereitung der Aktion beteiligt gewesen sein – und dürfte bereits Tage zuvor die Umgebung „ausgekundschaftet“ haben.

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