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Nach Protesten will Ministerin jetzt Uni-Reformen

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Die rote Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner dreht den Uni-Spieß um. Während Rektoren aufgrund der gekürzten Mittel im neuen Doppelbudget den Kollaps herbeireden, präsentiert die SPÖ-Ministerin ihre Pläne, die den Hochschulalltag für Studierende und Forscher verändern werden. 

Seit Wochen gibt es Warnungen, Proteste und Budget-Sorgen im Uni-Bereich. Rektoren sprechen von Kahlschlägen, gefährdeten Jobs und längeren Studienzeiten, die Universitätenkonferenz hat sogar den Rückzug aus der „Hochschulstrategie 2040“ erklärt. Auch mit dem Verschieben einzelner Studiengänge versuchten Unis Druck auf die Regierung auszuüben, die zuständige SPÖ-Ministerin Eva-Maria Holzleitner musste sich viel Kritik anhören. Doch nun geht sie in die Offensive und präsentierte am Montag Reformen für Österreichs Unilandschaft 2040. Denn „die Hochschulen von morgen entstehen nicht von selbst. Sie entstehen durch die Entscheidungen, die wir heute treffen“, so die Ministerin.

Bald soll man auch Teilzeit studieren können
Geplant hat Holzleitner etwa die Einführung eines Teilzeitstudiums, laut Ministerium arbeiten 68 Prozent der Studierenden neben dem Studium, viele kümmern sich zudem um Kinder oder pflegebedürftige Angehörige. „Nicht die Studierenden sollen sich an das System anpassen, das System soll sich an die Studierenden anpassen“, so die SPÖ-Ministerin. Wer nebenbei arbeitet oder familiäre Verpflichtungen hat, solle künftig nicht länger als Student zweiter Klasse gelten. Das Studium müsse sich stärker an den tatsächlichen Lebensrealitäten orientieren.

Holzleitner will Wissenschaftsregionen einführen
Der zweite große Reformplan betrifft die Uni-Strukturen. Österreich verfüge zwar über viele hervorragende Hochschulen, gleichzeitig gebe es aber zahlreiche Überschneidungen und Doppelgleisigkeiten. Angelehnt an den Gesundheitsregionen, die Wiens Bürgermeister Michael Ludwig ins Spiel gebracht hatte, will Holzleitner sogenannte „Wissenschaftsregionen“ einführen. Hochschulen sollen stärker kooperieren, Infrastruktur gemeinsam nutzen und Studienangebote besser abstimmen. Dabei soll es auch Schwerpunkte geben, denn „wir müssen unsere Stärken bündeln“.

Auch für die Forschenden soll sich einiges verbessern: Konkret geht es um befristete Verträge. „Ich will die ausufernde Befristungspraxis beenden und §109 aus dem Universitätsgesetz streichen“, kündigt Holzleitner an. Viele Wissenschafter würden sich derzeit von Vertrag zu Vertrag hangeln und jahrelang in Unsicherheit leben. „Forscherinnen und Forscher sollen sich auf ihre Arbeit konzentrieren können und nicht ständig um ihre Zukunft bangen müssen“, betont die Ministerin. Das Ziel seien „verlässliche Karrierewege“ und bessere Rahmenbedingungen für Forschung und Lehre.

Kein öffentliches Geld mehr für Privatunis
Eine weitere klare Ansage macht die Ministerin bei der Finanzierung von Privatunis – denn das soll künftig nicht mehr möglich sein. Besonders die Länder fördern einige private Hochschulen. Außerdem sollen Studierende und der wissenschaftliche Mittelbau stärker eingebunden werden. Senate und Mitbestimmungsrechte sollen ausgebaut, starre Hierarchien aufgebrochen werden. Im Ministerium spricht man von einer Zusammenarbeit „auf Augenhöhe“. Zudem soll mit einem sogenannten Faculty-Modell die Organisation von Forschung und Lehre neu aufgestellt werden, Kurien seien nicht mehr zeitgemäß.

„Doch für die Umsetzung dieser Ideen brauchen wir alle Beteiligten – auch von den Führungskräften der Hochschulen“, so Holzleitner in Richtung der Universitäten. Über den Sommer sollen nun die Detailkonzepte ausgearbeitet werden, im Herbst sind mehrere Dialogforen geplant. Anfang 2027 soll schließlich die fertige Hochschulstrategie 2040 vorliegen. Die Ministerin betont dabei ihre Gesprächsbereitschaft: „Meine Hand ist und bleibt ausgestreckt, denn eine ordentliche Debatte auf Augenhöhe ist die Grundlage unserer Demokratie.“