Politik

Papst ruft Frankreich zu atomarer Abrüstung auf

Papst ruft Frankreich zu atomarer Abrüstung auf

Papst Leo XIV. ist am Freitag von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron empfangen worden. In seiner Rede rief er die Politikerinnen und Politiker unter anderem zu atomarer Abrüstung und zu einem stärkeren Schutz des Lebens auf (siehe Video oben). Frankreichs Regierung hatte im Juli aktive Sterbehilfe und begleiteten Suizid für schwer kranke Menschen erlaubt.

„Mit Besorgnis stelle ich bisweilen fest, wie Gesellschaften derzeit in die falsche Richtung abdriften und Gefahr laufen, Wissenschaft und Technik in gewinnorientierte Unternehmungen zu verwandeln, die genetische Manipulationen, Leihmutterschaft, den Handel mit Organen oder das Angebot eines geplanten Todes fördern“, sagte Leo XIV. im Élysée-Palast. Er erinnerte an die „tiefen“ christlichen Wurzeln des Landes und sagte, dass Religion weder aus dem öffentlichen Raum noch aus dem Bildungswesen ausgeschlossen werden solle.

Auch die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die 1948 in Paris angenommen wurde, um ein „allgemeines Bewusstsein für die unveräußerliche Würde des Menschen zu schaffen“ sprach der Pontifex an. Er appellierte zudem für Abrüstung und ein Verbot von nuklearen Waffen.„Angesichts des Kriegsgedöns und der vielfältigen Krisen, die unsere Welt erschüttern, hat Frankreich die Berufung, ein unermüdlicher Verfechter des Friedens und des Multilateralismus zu bleiben, insbesondere innerhalb unseres teuren Europas“, sagte er. Eine wirklich freie Gesellschaft schütze die Vielfalt der Gewissen, beuge autoritären Auswüchsen vor und fördere einen ethischen Dialog.

Macron: „Gemeinsame Aufgaben bei Frieden und Menschenwürde“
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der vor den offiziellen Ansprachen mit dem Papst zu einem privaten Gespräch zusammengekommen war, sagte, dass Frankreich seine christliche Geschichte anerkenne und mit der Kirche große gemeinsame Aufgaben bei Frieden, Menschenwürde, sozialer Verantwortung, Umweltschutz und der ethischen Gestaltung von KI und technologischem Fortschritt habe. Die französische Republik sehe es als ihre Pflicht an, „jedem Einzelnen zu ermöglichen, nach eigenem Gewissen zu glauben oder nicht zu glauben, sowohl im Privaten als auch in der Öffentlichkeit, unter der Voraussetzung, dass die Gesetze geachtet werden“.

Nach dem Élysée-Palast besuchte der Papst die UN-Kulturorganisation UNESCO, die ihren Sitz in Paris hat. Am Abend ist ein Gottesdienst im Nationalstadion im Vorort Saint-Denis mit etwa 80.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern geplant. Am Samstag werden zu einer Messe auf der Place de la Concorde unterhalb der Champs-Élysées mehrere Hunderttausend Menschen erwartet. Weitere Stationen sind der Wallfahrtsort Lourdes, wo der Pontifex Missbrauchsopfer treffen will, und die Stadt Metz unweit der deutsch-französischen Grenze. Macron will den Messen des Papstes fernbleiben. In Frankreich gilt bis auf einige Regionen im Osten seit mehr als einem Jahrhundert eine strikte Trennung von Kirche und Staat.

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