Polnische Gemeinde bereitet sich auf Angriffe vor
Im ostpolnischen Dorohusk an der Grenze zur Ukraine bereiten sich die Menschen auf mögliche Angriffe vor. Kaum ein Tag vergeht, ohne dass Warnmeldungen des staatlichen Krisenzentrums an die Bürgerinnen und Bürger gehen. Im September schlugen mehrfach Drohnen auf der ukrainischen Seite unweit der Grenze ein, auch ein Passagierzug von Kiew nach Warschau wurde angegriffen.
„Die eine Explosion habe ich nicht nur gehört – ich konnte es sehen“, sagte Pensionist Andrzej (62), dessen Haus in der Nähe vom Grenzfluss Bug steht. Zuletzt war es an der Grenze zur Ukraine wieder ruhig, dennoch fürchtet Polens Regierung weitere Vorfälle dieser Art. Regierungschef Donald Tusk rechnet sogar mit verdeckten Drohnenangriffen und Raketenschlägen gegen sein Land.
Erst am Dienstag rückten im Nordosten Spezialeinheiten der Polizei und Armee zu einem großangelegten Einsatz an der Grenze zur russischen Exklave Kaliningrad aus: Es habe von den Geheimdiensten sehr genaue Informationen gegeben, wonach es zum Eindringen bewaffneter Menschen auf das polnische Staatsgebiet kommen könne, sagte Tusk. Personen mit Taschenlampen seien nahe der Grenze unterwegs gewesen. Durch eine schnelle Reaktion habe man Provokationen verhindern können. Abschnitte der Grenze zu Kaliningrad wurden mit Panzersperren gesichert, die deutsche Bundeswehr half dabei.
Diesel für Notfall gebunkert
Das alles passt zu Warnungen westlicher Geheimdienste, wie etwa dem Bericht des dänischen Militär- und Auslandsgeheimdienstes DDIS, vor einem wachsenden Risiko begrenzter militärischer Angriffe Russlands auf einen oder mehrere an Russland grenzende NATO-Staaten – und zwar schon in den kommenden Monaten.
In Dorohusk seht auch bereits ein großer gepanzerter Tank, in dem Platz für 2500 Liter Diesel ist. Das sei als Vorrat für die Feuerwehr und Hilfskräfte im Notfall gedacht, sagte Bürgermeister Wojciech Sawa. In dem ländlich geprägten Ort würden die meisten Menschen darauf setzen, dass sie bei Gefahr ihre Keller als Schutzräume nutzen können. „Hier habe ich meine Hütte und mein Dach. Nur die dauernden Alarme gehen mir auf den Geist“, sagte die Pensionistin Henryka (63).
Bürger werden in Zivilschutz geschult
In der 90 Kilometer entfernten Großstadt Lublin sind mittlerweile gar alle Kindergärten und Schulen mit Schutzräumen für den Fall eines Luftalarms ausgerüstet. Im Sommer war während schwerer russischer Luftangriffe auf die Ukraine ein Flugobjekt in der Nähe der Stadt abgestürzt. Laut der Regierung war es ein russischer Marschflugkörper. Bürgerinnen und Bürger beklagten damals, unzureichend informiert worden zu sein. Die Sirenen heulten zwar, doch niemand wusste, warum. Nun hat die Stadt begonnen, die Einwohnerinnen und Einwohner in Zivilschutz zu schulen.
Für einen eventuellen Drohnenangriff reiche es völlig aus, wenn man im Büro, im Supermarkt oder zu Hause die Regel beachte, möglichst zwei Wände zwischen sich und die Außenwelt zu bringen, sagte der Zivilschutzbeauftragte Dariusz Krzysztofik. „Die Drohnen richten nicht immer so gewaltigen Schaden an, aber sie können tödlich sein, wenn man von vielen Splittern getroffen wird“, warnte er und gab zu bedenken, dass man sich aber nicht derart in Panik versetzen lassen dürfe, dass man nicht mehr normal leben könne.