Prozess gegen Cousin Assads in Syrien begonnen
In Syrien hat der Prozess gegen einen Cousin des gestürzten Machthabers Bashar al-Assad begonnen. Ihm werden Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Wassim al-Assad soll zwei bewaffnete Gruppen gegründet und geleitet haben.
Ihm wird zudem vorgeworfen, den Gruppen „Waffen, Munition, Geld und logistische Unterstützung“ zur Verfügung gestellt zu haben. Diese sollen an Einsätzen in Ost-Ghouta in der Nähe von Damaskus beteiligt gewesen sein, das bis 2018 als Oppositionshochburg galt. Bei den Einsätzen sei eine „große Zahl von Zivilisten getötet worden“, heißt es in der Anklageschrift. Al-Assad werden auch „Aufrufe zum Mord und zur Gewalt“ sowie Schmuggel und Drogenhandel zur Last gelegt. Er soll seine Zugehörigkeit zur Familie des Machthabers ausgenutzt haben, um beispielsweise zu plündern und Menschen zu erpressen.
In den Jahren vor dem Sturz Bashar al-Assads im Dezember 2024 hatte dessen Cousin Videos veröffentlicht, die ihn am Steuer von Luxusautos zeigten, teilweise bewaffnet und in Militäruniform. Auch Wassim al-Assad war darauf zu sehen und von bewaffneten Männern umgeben, die er aufforderte, an der Seite seines Cousins zu kämpfen.
Bevölkerung fordert schnellere Verfahren
Die neue syrische Führung will die früheren Verantwortlichen von Assads Sicherheits- und Regierungsapparat zur Verantwortung ziehen. Die Verhandlung gegen den Cousin wird teilweise im staatlichen Fernsehen übertragen. Der Prozess gegen den Ex-Machthaber, der nach Russland geflohen war, und dessen Umfeld wurde im April eröffnet. Als einziger Angeklagter erschien der frühere Geheimdienstchef der südsyrischen Provinz Deraa, Atef Najib, in Damaskus persönlich vor Gericht.
Derzeit gehen Menschen landesweit auf die Straße und fordern schnellere Gerichtsverfahren sowie Rechenschaft für die Anhängerinnen und Anhänger Assads. Während des 13-jährigen Bürgerkriegs wurden mehr als eine halbe Million Menschen getötet. Ende 2024 stürzten Kämpfer unter Führung der islamistischen HTS-Miliz den langjährigen Machthaber Assad. Der ehemalige HTS-Anführer Ahmed al-Sharaa führt die derzeitige syrische Übergangsregierung an.