Reden von KI geschrieben: Wirbel um CDU-Minister
Deutschlands Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) gerät wegen Texten, die mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt wurden, in den öffentlichen Fokus. Sein Ministerium verteidigt den Einsatz.
Wie die „Zeit“ am Samstag berichtete, hat eine Analyse mit der Software Pangram ergeben, dass der Minister mehrere Reden sowie Gastbeiträge für große Zeitungen zu weiten Teilen von der KI verfassen ließ.
So stamme ein unter Wildbergers Namen im „Handelsblatt“ veröffentlichter Artikel aus dem April 2026 fast vollständig von einer KI, ein Beitrag in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS) vom März zum überwiegenden Teil. Zudem habe die Pangram-Analyse ergeben, dass eine Rede vor dem Atlantic Council in Washington im Juli 2024 komplett von einer KI stamme, mehrere Reden im Bundestag zu größeren Teilen.
Redaktionen nicht über KI-Einsatz informiert
Gegenüber den Redaktionen von „Handelsblatt“ und „FAS“ habe das Ministerium den KI-Einsatz nicht offengelegt. Mit der Software Pangram lässt sich prüfen, ob ein Text von einer KI erzeugt wurde. Das Programm liefert aber keinen endgültigen Beweis.
So verteidigt sich das Ministerium
Das deutsche Digitalministerium bestätigte der „Zeit“ den Einsatz von KI und die Nicht-Offenlegung gegenüber den Redaktionen. „Ja, auch Minister Wildberger nutzt KI als Arbeitswerkzeug. Die genannten Texte wurden mit Unterstützung von KI erarbeitet. Eine gesonderte Offenlegung gegenüber den Redaktionen erfolgte nicht – weil Minister Wildberger KI als unterstützendes Arbeitsmittel betrachtet, über dessen Nutzung man nicht anders Rechenschaft ablegt als über Textverarbeitung, Recherche-Tools oder redaktionelle Unterstützung“, betonte ein Sprecher des Ministers.
„Die Verantwortung liegt stets beim Menschen“
Und er fügte hinzu: „KI kann als Sparringspartner eingesetzt werden: um Gedanken zu ordnen, alternative Formulierungen zu prüfen, Kürzungen vorzuschlagen oder die Struktur zu schärfen.“ Die Überprüfung und Validierung müsse aber immer gesondert durch Menschen erfolgen, um Fehler und sogenannte Halluzinationen auszuschließen. „Bevor etwas in eine Rede übernommen wird, muss ein Mensch prüfen, ändern und entscheiden“, so der Sprecher.
Auch Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) hatte kürzlich den Einsatz von KI in seiner Kommunikation eingeräumt.