Retten statt Entführen: US-Militär hilft Venezuela
Das US-Militär schickt ein großes Aufgebot nach Venezuela, um nach den verheerenden Erdbeben in der vergangenen Woche Hilfe zu leisten. Eine bemerkenswerte Wende: Vor kaum sechs Monaten bombardierten die USA Caracas und entführten Staatschef Nicolás Maduro.
Mehr als 900 Einsatzkräfte haben die USA direkt nach Venezuela entsandt, weitere rund 800 Soldaten seien auf Stützpunkten in Puerto Rico und Curacao im Einsatz, sagte der Befehlshaber des US-Südkommandos, General Francis Donovan, am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters.
„Noch nicht so lange her“
Der General machte deutlich, dass der Hilfseinsatz eine bemerkenswerte Wende zwischen den Vereinigten Staaten und Venezuela markiert: „Der 3. Jänner ist noch nicht so lange her. Und man muss sich nur ansehen, wie sich diese Beziehung gewandelt hat“, sagte Donovan.
Am 3. Jänner 2026 hatte das US-Militär eine Razzia ausgeführt, um den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro zu ergreifen und ihn für einen Prozess wegen Drogenhandels nach New York zu bringen. Zudem hatten die USA immer Boote angegriffen, die ihren Angaben nach Rauschgift schmuggeln wollten. Zuletzt tötete das US-Militär in Abstimmung mit den venezolanischen Behörden den Anführer der Gefängnisbande „Tren de Aragua“.
Jetzt beteiligen sich die US-Streitkräfte laut General Donovan an Such- und Rettungsaktionen, haben bei der Wiederinbetriebnahme des Flughafens geholfen und Luft- und Seetransporte für humanitäre Hilfe mobilisiert. Zudem würden mindestens vier oder fünf MQ-9-Reaper-Drohnen über Venezuela eingesetzt, um den venezolanischen Behörden ein besseres Lagebild zu verschaffen.
„Wir gehen, wenn wir fertig sind“
Venezuela war am vergangenen Mittwoch von zwei Erdbeben der Stärke 7,2 und 7,5 erschüttert worden, die Gebäude zum Einsturz brachten und Tausende von Menschen unter den Trümmern begruben. Nach Angaben der Regierung wurde bisher nur ein dreijähriges Kind lebend gerettet. Donovan lehnte es ab, über die Dauer des Einsatzes zu spekulieren. Es gebe jedoch keine Pläne für einen dauerhaften Einsatz der entsandten Truppen. „Es ist nicht die Rede davon, zu bleiben“, sagte er. „Wir gehen, wenn wir fertig sind.“ Donovan äußerte jedoch die Hoffnung, dass der Einsatz die Tür für engere militärische Beziehungen zu Venezuela öffnen könnte.